20070504

Die Söldner - Part I.I

Gerhard Meeltheuers Ankunft in Havena blieb den meisten verborgen, wie sollte es auch nicht.
Ein unnauffälliger junger Mann, Bauernkleidung, ein großer Sack mit einem heraushängenden Stock auf dem Rücken (Was sich später als eine Sense heraustellen sollte, eine Waffe die tatsächlich innerhalb der Stadt verboten war) und einem kleinen Beutel mit wenigen Kreuzern am Leib.
Und hier war er nun, Havena, Perle des Westens von manchen tituliert, für ihn eine große, wahrlich große Stadt, war er doch nur das einfache Landleben gewöhnt. So ging Gerhard mit großen Augen, ja fast meinte man, es wären die Augen eines Kindes, welche sich an den Bauten der Stadt ergötzten, sich in ihrer Pracht, in den Tempelbauten, den Amtsgebäuden verlor. Keinen anderen Eindruck vermochte er zu vermitteln, denn niemand würde ihm in die Augen sehen, diese traurigen blauen Augen, mit welchen er den Tod seiner Familie sah, von Verwandten und Freunden, Eltern und Frau, dem Ende seiner Vergangenheit.
Aber der Firun-Geweihte, der Gerhard ins Leben zurückgeholt hatte, nun, er sprach nicht viel, aber auch in jener Wortkargheit lag eine Sprache, eine Aussage, Worte, Bedeutungen, Metaphern. Nicht dass Gerhard wüsste, was eine Metapher wäre, aber das wäre ein anderes Thema.
Lange wanderte er also so durch die Strassen der Stadt, bis ihm schliesslich der Abend bewusst wurde, der da heranzog, und die Praiosscheibe vom Himmel holte.
Doch woher Unterkunft nehmen, wenn nicht stehlen, ganz zu schweigen von diesem unangenehmen Ziehen in der Magengegend, das davon kündete, welchen Hunger der Gute doch zu verspüren hatte.
Aber der Zufall, das Schicksal oder die Zwölfe, welches auch immer, begünstigten Gerhard dazu, auf einem der Markstände mitanzuhören, wie ein Bote ausrief, dass eine Handelsgesellschaft noch waffenfähige Mitreisende für ihren Trek suchen würde und Kandidaten in einem bestimmten Gasthaus in Havena zu erscheinen ersuchte. Dies war eine offentsichtliche Gelegenheit für Gerhard, welcher ja in Schulden stand beim Geweihten und der Truppe welche ihn vor einigen Wochen mit sich nahm, und welcher anderen Profession sollte er nachgehen, als jener des bezahlten Mietlings, er, der er doch ein Wilderer, ein Wandelnder unter Lebenden gleich nach einem Weg zum Überleben suchte.
Überleben, das größte und erstrebenswerteste aller Ziele, um fähig zu sein, seine Kinder zu finden, die letzte seiner Hoffnung, so wie er es sich, dem Geweihten und den Zwölfen geschworen hatte.
Beim Gasthaus nun angekommen, wurde schnell eine Traube von Menschen sichtbar, welche scheinbar, aufgrund einer momentan schlechten Wirtschaftslage in Havena, gezwungen waren sich nun anders ihr Brot zu verdienen, und der bezahlte Waffengang schien schnell und einfach klingende Münze zu bringen, warum also nicht etwas riskieren.

Ohh, weh den Narren die nur dem blanken Golde nachstreben, denn ihr Verlangen wird ihr Untergang sein!

Tatsächlich sollte es eine Weitle dauern, und längst würde der Abend weit gebrochen sein, als Gerhard schliesslich vorgelassen wurde, und mit den Informationen über die Reise versorgt wurde, jener, dass ein Handelshaus Mietlinge suche, um einen Trek zu beschützen, der für 3 Wochen unterwegs wäre zu einer größeren Stadt. Gerhard unterschreib ihren Vertrag, zum großen Erstaunen der Händler, tatsächlich mit ungelenker Handschrift und seinem eigenene Namen, eine Leistung auf die schon sein Vater besonders stolz war, als er es dem damals noch jungen Gerhard beibrachte.
Als ersten Pfand für seine Dienste, wäre das Essen im Gasthaus für den Abend umsonst, und auch würde die Reise eh erst übermorgen beginnen, was die Herren ja dazu veranlassen sollte, sich doch Domizile für die Nacht zu ersuchen.
Gerhard, nachdem er sich den Magen mit kostenlosen Speisen vollgeschlagen hatte, entscheid sich schliesslich nach der Auskunft eines anderen, eine kleine Kaschemme am Hafen aufzusuchen. Die Nacht war billig, die Unterkunft schlecht, aber was konnte sich Gerhard schon anderes leisten in seiner Situation.
Die Nacht war ein reinste Grausen für Gerhard. Als er erwachte, standen Tränen in seinen Augen, die Schreie noch in den Ohren, verließ er nach Bezahlung der Nächtigung schnellstmöglich das Haus, und machte scih geschwinds, mit der Weghilfe einiger Passanten in der früh, die Praiosschreibe war noch nicht ganz aufgegangen, auf, die Boronsinsel von Havena zu finden, auf welcher speziell der Friedhof und Boronstempel untergebracht waren.
Dort angekommen warf er sich zu Boden, sein weniges Restgeld dem Tempel als Spende überlassend, knieend vor einer Statue des stummen Gottes, weinend, schluchzend.
Allein.
Zur frühen Mittagsstunde suchte er erneut das Gasthaus auf, wo er erfuhr, dass für die TrekBegleiter weiterhin das Essen umsonst sein, da es im voraus gezahlt wurde, ein Umstand der Gerhard gelegen kam, und ihn dazu brachte erneut den Magen beinah zu verderben durch eine Überfüllung.
Den Rest des Tages verbrachte er mit Streifzügen durch bekannte Gegenden. Einem Händler konnte er ein Fuchsamulett, holzgeschnitzt, abschwatzen, und es sollte gegen Abend wieder sein, dass ein bemerkenswertes Ereignis eintrat.
Havena, das nicht zuweit nördlich, noch zuweit südlich lag, war zu jener Zeit in einer Periode von Warmen Wetter eingefangen, und zuweilen wurde es doch recht warm in der Stadt, was besonders Gerhard an diesem Tag einlud, sich die Füße im Hafenbecken zu kühlen, von seiner vielen Wanderei der Tage, wie vom Schmutz.
Jedenfalls sollte es gegen Abend sein, dass, als er den Fuß ins Wasser kaum taumeln ließ, er zur Praiosscheibe hinausblickte, und sich nun erst wirklich der ganzen, gewaltigen, überschäumenden Größe des Meeres bewusst wurde. Vor ihm war nicht einfach nur eine Pfütze, es war das Aventurische Meer, und für Gerhard als Kind des Waldes und der Berge, der fernab jedweden Meeres gelebt hatte, ein Erlebnis unbeschreiblicher Größe, das Spiel der Wellen gegen die Kaimauer, die untergehende Praiosscheibe im Hintergrund und die Farben vermischte sich in jenen Minuten zu einem Moment vollkommener Schönheit für Gerhard. Es sollte eine Moment sein, den er, bisweilen er ihn nie vergaß, oft für seine Scöhnheit und Friedlichkeit sehen sollte, aber dazu später mehr.
Der Friede, der sich danach in Gerhard ausbreitete, ließ ihn eine der seltenen, fast traumlosen Nächte verleben, die ihm seit damals nur so selten vergönnt waren, und mochten die Insekten noch so oft beißen und stechen, tief und fest ruhte Gerhard wieder im Schundhaus und schlief den Schlaf der Unschuldigen.
Am nächsten Tag, nach einer Aufteilung der Beteiligten auf die jeweiligen TrekFahrzeuge, insgesamt 11 an der Zahl, fuhr der Trek los. Die ersten Tage waren an sich bedeutungslos, aber schon während ihnen fiel Gerhard einige Gestalten auf, merkwürdige und kuriose Gestalten, aber vielleicht nicht viel anders als Er.
Insgeheim verfolgte Gerhard mit dieser Reise ja inzwischen weitere Ziele, denn anchdem er vom Havenaer Amt für Polizeiliche Angelegenheit (mit anderen Worten: Büttel) erfahren hatte, dass die Gegend um Havena als sauber galt, frei von Mordbrennern und ähnlichem, er hoffte dass zumindest im Osten sich Spuren dieser Bestien befänden, und ihn so bald mit den seinen
wieder zusammenführen würde.

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