20160202

Fall 1 - XLV

Zeichner
Dieses Feuerzeug.

Ich lasse das Feuerzeug an zwei Fingern baumeln. Ich kann die Gier in seinem Blick förmlich riechen. Er versucht sich das Feuerzeug zu schnappen. Nicht mit mir. Etwas hochgezogen, und schon ist es aus deinem Griff raus.

Zeichner
So nicht. Wo.

Er leckt sich die Lippen. Es hat etwas geradezu urtümlich Ekliges an sich, das zu beobachten.

Penner Rechts
Einverstanden. Der Doc hat seine Klinik an Pier 22.

Wie ein hässlicher kleiner Geier schnappt seine Hand nach vorn und versucht mir das Feuerzeug zu entreißen. Dann hat er das Feuerzeug. Zucke mit den Schultern. Drehe mich ab, Richtung Taxi. Hinter mir das raue Gelächter der Beiden. Sie spielen bereits mit ihrer neuesten Errungenschaft.

Endlich das Fahrzeug erreicht. Öffne die Fahrertür. Steige ein. Mein Schädel brummt. Die linke Schulter brennt. Der Moment bleibt. Die Hand zuckt, gerade zu spastisch. Auf. Zu. Auf. Zu. Wie in einem Krampf. Packe das Lenkrad an. Und drücke zu, bis das Weiß auf den Knöcheln unglücklich hervortritt. Schweiß tropft mir von der Stirn. Wie ein brennender Fluss zieht sich der Schmerz. Von der Hand, zum Ellenbogen, zum Oberarm und zur Schulter selbst. Das unangenehme Gefühl, dass Kleidung an der offenen Wunde klebt. Etwas Flüssiges sickert unter meiner Jacke die Schulter entlang. Zähne zusammen beißen, Zeichner!

Es vergeht. Meine Hand entspannt sich. Der Druck sinkt. Hartes Atmen. Langsam und ruhig wieder zurück kommen. Motor läuft noch. Anfahren. Runter vom Parkplatz. Durch die Nebenstraßen der Docks. An endlosen Reihen von Containern. Das dumpfe Aufhellen des Himmels. Immer noch dringt keine Sonne hindurch, aber der Regen ist zu einem blassen Nieseln verkommen.

Licht. Licht. Licht. Die Straßenlaternen sind hier unten immer noch aktiv. Der fahle gelbliche Schein hüllt Straße und Abgänge, Gebäude und Fahrzeuge in unwirkliche Schimmer, das stetige Prasseln des Regens tut sein übriges. Der rauschende Wind zieht sich durch meinen Nacken durch die offene Heckscheibe. Mein Arm, meine ganze Schulter pocht, dumpf, wieder und wieder, als wäre er warm, während mir kalt ist, es fröstelt. Ein Schild in der Entfernung.

Pier 17. Immer wieder kurzes Geblinzel. Darf die Augen nicht dauerhaft schließen. Mit der Hand vorsichtig durch die Augen wischen. Dreck, Schweiß und Tränenflüssigkeit vermischen sich. Ich muss schrecklich aussehen. In der Ferne kann ich Polizeisirenen heulen hören.

18. Eine sanfte Biegung. Kaum Verkehr, sollte die Stadt nicht langsam aufwachen. Was für ein Tag ist heute eigentlich? Vermutlich ein Scheißtag. Ein Siebentonner auf der anderen Spur. Rauscht an uns vorbei. Ein Tiertransport. Das Quieken der Schweine begleitet mich nur einen Augenblick, ehe es in der Weite verschwindet.

20. Reibe mir noch einmal die Augen. Wird wohl stimmen. Sollte fast da sein. Mir ist kalt. Ich fühle mich unwohl. In meiner Haut. In meiner Kleidung. Geräusche vom Rücksitz. Ein unangenehmes Aufstöhnen. Schmerzen? Drehe den Kopf leicht nach hinten. Mist. Der Rückspiegel ist geplatzt. Nur bruchstückhaft kann ich überhaupt etwas erkennen. Manche Splitter geben mein eigenes Bild wieder, denn die Szenerie hinter uns.

Zeichner
Hey. Alles okay? Wir sind fast da.

Wie zur Antwort kommt ein weiteres Aufstöhnen. Ein gutturales Geräusch. Etwas wälzt sich hinter mir. Ein Stocken. Mir bleibt die Luft weg. Dann ein schweres Husten. Würgegeräusche. Als würde jemand im Liegen kotzen. Fuck. Wie jemand durch den Wagen spuckt, unwillkürlich, reflexhaft. Die Umgebung trifft. Galle und Spucke bleiben kleben, Einzelteilchen welche sich an den verschiedensten Oberflächen langsam daran begeben, hinunter zu rutschen. Mein Griff um das Lenkrad wird fester.

Zeichner
Wir sind fast da! Durchhalten!

Das Gefühl, dass dir jemand auf der Rückbank gerade verreckt. Da vorne! Pier 22. Das marode Lagerhaus hat auch schon bessere Tage gesehen, nur ein paar einsame Lichter geben einen Widerschein aus dem Inneren heraus und zeigen an, dass überhaupt jemand dort sein könnte. Noch auf dem Weg zur Einfahrt in Richtung des Piers. Ich spüre wie mein Fuß fast instinktiv vorpreschen will. Druck aufs Gaspedal geben. Hinter mir verreckt gerade jemand!

Obwohl die Tachonadel wild nach rechts schwingt, reiße ich das Lenkrad um. Mit quietschenden Reifen donnert die Karre in die Kurve, reißt aus, meine Hände verkrampfen sich geradewegs in das Lenkrad. Verlieren wir Bodenkontakt?

Nein. Bremsen. Bremsen! BREMSEN! Wir schlingern, während ich verzweifelt versuche den starren Fuß Richtung Bremse zu drücken. Vor meinem Inneren Auge sehe ich uns schon an der Außenwand zerscheppern. Wie stabil sind solche Gebäude eigentlich angelegt? Ein harter Ruck zur Linken zieht das Fahrzeug knapp vorbei. Wir ziehen an der Außenwand entlang, jeder Meter schlägt Funken und ein fürchterliches Metallisches Kreischen begleitet uns. Einige Meter zu weit! Muss weiter nach links? Wasser! Pier! BREMSEN!

Der Moment, als mein Fuß endlich die Bremse findet. Mit Aller Gewalt drauf zimmert. Halb im Schock gleichzeitig meine rechte Hand das Lenkrad loslässt und mit der Hand an der Standbremse ist. Schreiende Reifen, die sich auf dem Boden verteilen. Das leichte Schlingern endet. Mir drückt sich bei der rapiden Bremsung schlagartig das Lenkrad in den Magen. Luft, die aus den Lungen gedrückt wird. Speichel fliegt umher. Wir kommen zum Stehen.

Stimmen in der Entfernung? Sirenen? Ein Klingeln in den Ohren. Nur mühsam kann ich den Kopf oben halten. Etwas sickert am Lenkrad herab, tropft über meine Hand herunter. Als ob man nackte Haut vom Leder zieht, reißt sich mein Körper von Fahrersitz. Drücke mit voller Kraft gegen die Fahrertür. Mein Arm flammt auf. Die Wunde. Ein unguter Moment. Die volle Ladung der kühlen Hafenluft schlägt mir entgegen. Der Geruch von Wasser, Fisch, der See. Chemieabfällen. Der Pfad in die Green Bay? Dränge mich Stück für Stück zur hinteren Tür. Reiße sie auf. Scheiße.

Der Anblick ist erbärmlich. Sie sah schon vorher nicht gut aus, aber mit dem Erbrochenen das sich überall verteilt hat, macht es den Eindruck nicht besser. Sei es drum. Mehr oder weniger vorsichtig raus hieven. Viel schwerer, als sie vorher war. Wie lange war das her? Mein Blick verschwimmt. Konzentriere dich, Zeichner!

Hier muss doch irgendwo eine Tür sein. Da, an der eingedellten Außenwand. Ein teilweise abgerissener Griff deutet, nun lädiert, daraufhin, dass hier ein Pfad hinein gefunden werde kann. Die Tür öffnet sich von ganz alleine. Unglaublich helles Licht. Es blendet mich. Grässlich. Es brennt mir die Sicht weg. Wie ein Blick in die Sonne selbst. Stimmen. Sie sagen irgendwas. Es muss fürchterlich aussehen.

Zeichner
Bitte! Sie braucht Hilfe! Wir wollen zu Doktor Torn!

Eine Hand an meiner Seite. Eine Gestalt. Irgendjemand redet auf mich ein. Es sind mindestens zwei. Meine Augen brennen, als hätte jemand Sand und Feuer hinein gestreut. Ich kann ….ich kann nicht mehr.

20160130

Oxenfree

Es hat etwas ausnehmlich seltsames, wenn man sich die letzten Monate so anschaut. Der Indie-Sektor an Spiele nwächst und wächst, und jeden Monat kommen neue Adventures raus. Manche mehr, manche weniger sinnvoll. Umso überraschter war ich letztlich von...


Die Geschichte ist schnell erzählt. Eine Gruppe von Jugendlichen fährt zu einer einsamen Insel auf welcher sie eigentlich Party feiern wollen, aber feststellen müssen, dass ein verlassener Marine-Stützpunkt auf der Insel Geheimnisse verbirgt, die keiner erahnen konnte.

Eine einfache Darstellung von Seitwärtigem 3D das einen 2D-Look immitiert dient dazu, um die Insel und alle Örtlichkeiten nebst Akteuren zu rendern und dem Spiel somit einen recht eingenwilligen, aber auch netten graphischen Touch zu geben. 

Natürlich leidet auch Oxenfree unter einigen Problemen. Die Handlung hat einige...sagen wir mal, logische Lücken, was man aber verschmerzen kann. Die Personen sind recht klar umrissen, aber dadurch auch nicht sehr drei-dimensional, während manche der Puzzle im Spiel etwas...verquer sind. Dass ich um eine Tür drum gehen muss indem ich einen gigantischen Umweg auf mich nehme, anstatt einfach die Tür niederzumachen ist und bleibt eine Absurdität des altmodischen Adventure-Designs. Aber auch einer der Gründe warum ich Telltale-Spiele so mag.

Faktisch was falsch machen kann man mit Oxenfree wohl nicht. Wenn ihr ein bisschen Bock auf 3-5h Story und Puzzlen wollt, kann ich das kleine Adventure euch nur ans Herz legen.

20160127

LUCIFER

Eigentlich wollte ich mir ja die Tage die Zeit nehmen, und ein wenig mehr zu einen Detektiv schreiben, aber die Umstände verschworen sich dann doch gegen mich.
Deswegen gucke ich heute mal auf eine kleine,
aktuelle Serie die gerade auf FOX gestartet ist und den schönen Titel
trägt.
Dabei behandelt es den Hauptcharakter als den gefallenen Engel Lucifer Morningstar, welcher sich entschieden hat, die Hölle zu verlassen, und stattdessen einen Club in Los Angeles aufzumachen. Den Club Lux. An seiner Seite steht Maze aka Mazikeen, eine Verdammte welche sich seinem Exodus angeschlossen hat. In seinem Verweilen auf Erden trifft Lucifer dabei auf eine junge Polizistin, welche an seiner Seite Mordfälle und andere Dinge in der Stadt der Engel löst...

Zuerst einmal. Ein Police-Procedural. Man könnte es ja sonst wie aufziehen, aber warum die Geschichte Gaiman´s es nötig haben sollte, dem ganzen einen so faden Anstrich zu geben, kann ich mir nicht so recht erklären. Trotz allem werde ich vermutlich erstmal weiterschauen, die erste Episode war recht standardisiert, Guter Cop, Böse Kollegen, der Hauptcharakter als "Odd Man Out" dazwischen mit seinem Seltsamkeiten.

Wenn man der Serie eines anmerken kann, dann, dass Lucifer viel viel zu Menschlich rüberkommt. Dies ist eine Gestalt, welche dem christlichen Glaube nach Teil der Urschöpfung war und Gott am nähesten stand und trotz allem ist es eigentlich nur ein Spinner mit Verhaltensstörung. Vielleicht kommt das noch mehr in weiteren Episoden der Staffel zum Tragen.

Etwas anderes, das mich hier wirklich verwundert hat ist eher, dass man sich für die Story an Gaiman´s 
direkt orientiert, anstatt eine eigene Geschichte draus zu machen. An und für sich ist ja eine gute Vorlage keine schlechte Idee, und eine so geschriebene wie die von Lucifer möchte ich grundsätzlich nicht beharken. Aber es erscheint einem doch seltsam.

Die Ereignisse von Lucifer spinnen und spiegeln direkt aus Gaimans Sandman-Geschichten heraus und geben uns auch den Grund dafür, warum Lucifer die Hölle verlassen hat. In der Serie wirkt es aufgesetzt, weil wir den Grund noch nicht wissen.  

Auf der anderen Seite ist es seltsam, dass hierzu das Police Procedural aufgepflanzt ist, hat es doch im Comic mehr als genügend Grundlage für eine epische Story und Ereignisse. Lassen wir uns überraschen, wieviel sie letztlich übernehmen. Vielleicht haben wir das große Glück und der Anfang mit dem Polizei-Gehabe ist nur eine Subversion um einen späteren Charakter besser einzubringen. Für einen billigen Love Interest wäre es hingegen story-technisch verschwendet.

20160124

Fall 1 - XLIV

Radio
…kommen wir nun zum Wetter. Wie bereits gestern begonnen, verschiebt sich das Sturmtief weiter und es droht weiter schwerer Nied…… and my Imagination will drive around tha …. ….. im Studio sitzt neben mir gerade der Psychologe Karol Ranken und wir sprachen über menschliche Wahr…. ….IN THE END IT DOESN´T EVEN MAAAATTEEEERRR…



Vergiss es. Läuft auch nichts Sinnvolles um diese Uhrzeit. Mit einem einfachen Druck schaltet sich das Radio so schnell wieder aus, wie es anging. Inzwischen muss ich schon die Scheibenwischer anmachen, der Regen kommt so stark, dass man meint, wir wären in einem Wolkenbruch. Die eher schwachen Scheinwerfer tun ihr übriges, um die Welt in ein Farbenspiel von Gelb, Weiß und Grau zu verwandeln. Vor den Fenstern zieht die Welt vorbei.



In einiger Entfernung sehe ich Straßenschilder auftauchen. Wir müssen bald zur Einengung kommen. Da, wo letzte Nacht die seltsamen Typen Ibrahim und mich verfolgt haben. Es kommt mir so unwirklich vor. Der Gedanke, dass jemand uns verfolgt hat und dabei einen solchen Unfall erlitt. Was ist das?



Lichter in der Entfernung. Orangefarbene Warnblinker. Eine…ausgeschilderte Unfallstelle? Werde langsamer, und ziehe wie in Trance an dem Durchbruch vorbei, an dem zu diesem Zeitpunkt ein Wagen, ein Kranfahrzeug und diverse Arbeiter stehen und dabei sind, etwas aus den Tiefen zu ziehen. Irgendwo auf dem Wasser, vor den Klippen, kann man das Leuchten eines Bootes erkennen, vermutlich irgendwas in Richtung Küstenwacht. Aber so schnell wie es aus dem Dickicht des Regens auftaucht, verschwindet es auch wieder.



Wie Surreal.



Die Straße teilt sich wieder in mehrere Spuren auf. Endlich. Von vorn kommt ein einsames Licht. Ein Fahrzeug auf der Gegenspur. Normalität. Ein Lastwagen. Er zieht im Regen an mir vorbei, und ist verschwunden ehe ich drüber nachdenken kann. In der Ferne sind die ersten Entfernungsschilder ersichtlich. Es ist nicht mehr weit bis zur Stadt. Aber wohin will ich wirklich fahren?



Ein Arzt wäre jetzt ganz sinnvoll. Aber ein Krankenhaus? Es wäre vermutlich die beste Lösung, aber sie würden fragen, warum ich Verletzungen habe, die an Schusswunden erinnern. Oder was mit der Frau auf meiner Rückbank ist. Und wenn ich dann anfange, von den Ereignissen rund um Fouquíer zu erzählen…lieber nicht. Am Ende gibt es nur Probleme mit der Staatsmacht. Also eine andere Quelle. Wen kenne ich noch…das Mädel bei Spritzer! Candy!



Wie hieß der Typ noch den sie erwähnt hat? Irgendwas mit D? Dorn? Torn! James Torn… genau, irgendwas mit Arzt war da doch...egal. Es ist besser, als wenn ich jetzt auf die Schnelle Aufmerksamkeit auf mich ziehe, indem ich versuche woanders einen Hinterhof-Chirurgen aufzutreiben. Bei den Docks hat sie gesagt. Puhh. Einfacher gesagt als getan. Aber vielleicht…vielleicht kann man mir dort weiterhelfen.



Mit einer fließenden Bewegung reiht sich mein Fahrzeug in den Verkehr ein, der, je näher wir der Stadt kommen, immer stärker wird, und wir verlassen die Oberstraße mit der Abfahrt zu den Docks. Ein Parkplatz inmitten von Containerstellplätzen sollte fürs erste reichen, und mit laufendem Motor kommen wir zum Stehen. Die brennende Mülltonne am Rande des Parkplatzes zieht auf geradezu magische Weise meinen Blick an.



Die Autotür knallt zu, und der Kies knirscht leicht unter meinen Füßen, während ich versuche den größeren Pfützen und Wasserlöchern auszuweichen. Die beiden um die Tonne stehenden Penner, welche sich unter dem Überhang eines offensichtlich seit längerem nicht mehr genutzten Containers versuchen vor Wind und Regen zu verbergen, schauen argwöhnisch in meine Richtung, als ich mich ihrer Tonne nähere. Kein Wunder, ich würde an ihrer Stelle vermutlich nicht anders reagieren. Hebe meine Hände, zeige dass ich unbewaffnet bin. Nähere mich der Tonne weitere, bis unter den Überhang, und reibe die Hände aneinander. Sie machen mir Platz. Erlauben mir, mich in diese Gesellschaft der Verlassenen einzulassen.



Bei näherer Betrachtung ist die Kombination aus dicker Winterjacke und zerschlissenen Sportjeans in mehreren Lagen den Man zu meiner Linken vermutlich nicht warm genug, während der zu meiner rechten unter dem löchrigen Business-Mantel eher noch schwitzen müsste, wenn er denn darunter noch was anhat. Nicht dass ich wissen will, ob. Oder was. Bitte sei nicht nackt unter dem Mantel. Konzentration!



Zeichner
Tja. Ähhh…..



Sie rümpfen beide, recht unabhängig voneinander die Nase, Der eine schaut in meine Richtung, der andere schüttelt nur den Kopf. Das leichte Müllfeuer beleuchtet mit einem geradezu diabolischen Schein sein hageres, zermartertes Gesicht. Die Nase ist schief, wenn überhaupt, und offensichtlich mehrfach gebrochen worden, während verschieden Striemen und Furchen in der Haut auf eine brutalere Lebensweise deuten. Das blanke und weißliche Starren des rechten Auges lassen mich vermuten, dass der Mann Blind sein könnte.



Penner Rechts
<Öffnet den Mund>….



Hat er was gesagt, oder wollte er mir damit anzeigen, dass er nicht zu mir sagen wird?



Zeichner
Sorry. Das habe ich nicht so recht…



Penner Links
Was willst du.



Zeichner
Ich suche Doktor Torn. Ihr wisst nicht zufällig, wo hier an den Docks der Mann seine Klinik hat?



Sie beginnen ruckartig zu lachen. Dunkler, klumpenförmiger Speichel entweicht ihren Lippen, während sie in halber Schnappatmung nach Luft ringen müssen, weil ich offensichtlich gerade den besten Witz gemacht habe, den sie seit Jahren gehört haben.



Penner Rechts
Woher sollen wir das wissen? Bist´n Bulle?!



Zeichner
Nein Nein! Nichts dergleichen. Ich bräuchte seine Hilfe….für einen Freund.



Er mustert mich kritisch. Könnte fast meinen, dass es ein schnippisches Lächeln ist, das er versucht. Die plötzliche Hand auf meiner linken Schulter lässt mich reflexartig herumfahren.



Zeichner
FASS MICH NICHT AN.



Ich starre ihn an. Starre ihn direkt an. Er wird ganz klein auf einmal. Guckt weg. Hat erkannt, dass er zu früh auf zu viel Nähe gesetzt hat.



Penner Links
Sorry.



Penner Rechts
Motz Lenny nicht so an. Er hat´s nicht so mit Menschen. Dein Doktor. Ist da was für uns drin, wenn wir dir helfen?....Für deinen Freund.



Ich hasse diese Stadt. Ich hasse diese Menschen, die immer denken, dass alles im Leben ein ewiges Geben und Nehmen ist, die glauben das, wenn sie nur lange genug am Baum schütteln, schon irgendwann was für sie abfällt.



Ein kurzer Blick in meine Innentaschen verrät mir, dass nicht mehr viel übrig ist. Gähnende Leere. Maximal noch ein Feuerzeug. Heyyyy….

20160121

Zuviel auf der Platte

Es gibt solche Tage, da ärgert man sich richtig, wenn man nicht so recht weiterkommt. Tage, an denen man auf den Stapel von Arbeit guckt, und ganz genau weiß, woran es liegt das man keinen einzigen Zentimeter mehr Arbeit geschafft hat, obwohl man noch so viel anderes auf der Platte hat. 

Und es kann frustrierend sein, besonders wenn man sich selbst überhaupt nicht motivieren kann zu arbeiten, weil man gleichzeitig das Gefühl bekommt, man tue ja schon soviel für andere Dinge. Aber das stimmt letztlich auch wieder nicht, nicht wahr ;)

Soviele Filme zu sehen, soviele Dinge noch zu schreiben.

20160118

Feeling

Was ist das? 
Kann man das essen? 

Vermutlich schon, aber das ist nicht worauf ich hinauswill. Feeling ist etwas, das im Rollenspiel enorm wichtig, oder total unbedeutend sein kann, je nachdem, wie die Gruppe sich zusammen setzt, und was letztlich der Plan sein soll. Feeling beschreibt etwas, das der Amerikaner "Verisimilitude" nennt, und es beschreibt den Eindruck, das das vor dir liegende bzw. beschriebene "Real" wirkt. 

Mit anderen Worten, es ist das Gefühl, dass vor deinen Augen etwas passiert, das sich entfaltet und von dir greifbar ist. Das zu erzeugen kann sehr schwer, oder sehr leicht sein. Und kann auch sehr unterschiedlich verlaufen.

Anhand meiner aktuellen Star-Wars-Runde will ich das Beispiel führen. Um ein ordentliches Star Wars-Feeling hinzubekommen, reicht amüsanterweise sehr wenig. Es reicht ein gutes Intro mit der richtigen Musik, ein paar hanebüchenen Sturmtrupplern und Viel, viel Action, und schon hat man Star Wars. Gerade Star Wars ist hierbei ein amüsantes Beispiel, da es recht einfach und klar definiert ist. Star Wars ist die Geschichte von Underdogs im Kampf gegen ein monolithisches, gesichtsloses Böses, das Leute foltert und den Spielern erlaubt, cool mit Raumschiffen und Lichtschwertern zu spielen.

Aber auch andere Rollenspiele haben ein gewisses Feeling, das nicht immer gleich gut transportiert wird. Shadowrun zum Beispiel ist eigentlich in jeder Beziehung ein Heist-Movie ála HEAT oder Oceans Eleven, da für jeden Run aufs Neue eine Gruppe von dysfunktionellen Kriminellen zusammmengetrommelt wird, um für ein mickrige Kröten etwas zu machen, das vermutlich 9 von 10 Gesetzen bricht.

Und so weiter. Warum ist das wichtig? Weil Feeling sehr stark beeinflussen kann, wie die Runde verläuft, was sie ausmacht, und was aus der Runde mitgenommen wird. Mehr dazu, ein andernmal.

20160115

Fall 1 - XLIII

Mir ist noch nie so klar gewesen wie jetzt, wie kahl diese Gegend ist. Vielleicht ein paar hohe Sträucher hier und da, aber kaum etwas, das über einfaches Gestrüpp hinaus reichen würde. Der Moment, als ich mich in diesem dürren Dickicht versteckt hatte, erscheint mir wie eine kleine Ewigkeit her, dabei war das in derselben Nacht. Langsam spüre ich das Gewicht auf meinen Armen.

In der Entfernung, weit zu meiner Rechten, was eigentlich Norden sein müsste, kann ich die Lichter von White Springs sehen. Der Stunde geschuldet, scheint dort wenig Aktivität zu sein. Vor mir beginnt sich die Straße langsam zu verbreitern und in echten Asphalt über zu gehen, ein ganzes Stück weiter verbreitert sich die Straße schließlich wie eine T-Kreuzung in den Pfad Richtung Stadt und White Springs.

Nach und nach tragen mich meine Füße auf die Mitte der Kreuzung. Kein Verkehr um diese Uhrzeit. Ich wende mich zur Linken und marschiere langsam auf die rechte Straßenseite zu. Marschiere. Weiter. Immer weiter. Meter um Meter treiben mich meine Füße vorwärts. Es hat angefangen zu schmerzen. Meine Arme ermüden von der Tragelast, selbst einer solch einfachen. Bin es nicht gewohnt, eine Person so lange umher zu tragen. Meine Beine schieben sich nur noch automatisch nach vorne. Mein Brustkorb schmerzt, und das dumpfe Pochen in meiner Magengegend fühlt sich an, als würde jemand mit einem Hammer draufhauen.

Schüttel den Kopf. Kalter Schweiß fliegt umher. Das stetige, wenngleich dumpfe Aufhellen des Himmels deutet einen langsamen Sonnenaufgang an. Ein kühler Wind weht mir um die Nase, lässt mich schniefen. Einige hundert Meter vor mir kommt das große Willkommensschild von White Springs in Sichtweite. Da steht noch etwas anders. Ein Auto, auf dieser Seite des Schildes. Gut verborgen durch das Schild, etwas am Abseits. Kein Licht. Ich sehe keine Person weit und breit. Bleibe unschlüssig stehen. Oder versuche es zu mindestens, aber meine Beine schleppen sich unbarmherzig vorwärts. Keine Chance, nicht weiter zu kommen.

Jeder Schritt bringt mich näher. Das kann doch nicht. Das simple TTCT-Schild auf dem Dach. Ibrahims Taxi. Fuck. Und hier war ich und hatte ganz vergessen, dass der alte Mann auf meine Bitte hin von den Wichsern verfolgt worden ist. Ein unangenehmer Geschmack im Mund. Nur mehr noch Galle übrig, mit einer Spur von …Blut?

Immer und immer näher. Selbst in diesem Halbdunkel kann ich die Einschusslöcher sehen, welche die Heckscheibe zerrissen haben. Der ganze Wagen erscheint bei näherer Betrachtung demoliert. Ich kann froh sein, dass die Reifen noch einigermaßen stabil wirken. Mit einer Hand vorsichtig die Beifahrertür öffnen. Nicht überall sind Spuren von gesplittertem Glas, aber zu mindestens der Beifahrersitz ist übersät mit scharfkantigen Überresten. Vielleicht doch eher die Rückbank. Drücke die Tür auf. Der Großteil der Glassplitter ist im Fußraum. Vorsichtig jetzt. Bugsiere die junge Frau in meinen Armen so gut es geht auf die Rückbank. Hm. Anschnallen ist unter diesen Umständen wohl eher nicht.

Ein sanfter Regentropfen zerplatzt auf meiner Nase. Wenn gleich die Himmel sich ein wenig erhellt haben mögen, sie wirken zu diesem Zeitpunkt noch dunkel genug, um über uns eine Sintflut hereinbrechen zu lassen. Hat etwas geradezu Apokalyptisches. Schließe die Tür. Vorsichtig öffne ich die Fahrertür. Kein Körper zu sehen. Ich weiß nicht, ob ich erleichtert aufatmen oder mit zugedrücktem Hals spekulieren soll. Aber auch kein Blutfleck erkennbar. Nur ein paar Splitter hier und da. Wische sie herunter. Na dann. Drücke mich langsam in den Fahrersitz. Das Sitzen lässt meine Füße aufschrecken. Stunden um Stunden an endlosem Gehen ziehen sich ihren Zoll. Wenn ich mit dem Kopf jetzt langsam an die Kopflehne nicke, werde ich hier vermutlich fürs Erste gar nicht mehr wegkommen. Instinktiver Griff zum Autoschlüssel.

Es steckt keiner im Schlüsselloch. Natürlich nicht. Wäre ja auch zu einfach gewesen. Ich drücke die untere Armaturenbedeckung herunter, und reiße die Innenverkleidung auf. Ein Wirrwar an Kabeln. Wenn ich mich recht erinnere, dann muss dieses Kabel HIER und…das Kabel DORT…und wenn man die jetzt aufzwirbelt und dann miteinander verbindet…

Ein angenehmes Rumoren. Zuerst. Dann springt der Wagen beinahe das große Schild und versucht sich langsam durch zu drücken. Irgendein Hohlkopf hat den Gang drin gelassen. Ich wechsle, und setze langsam einen, zwei Meter zurück. Drehe den Wagen Richtung Straße und gebe schließlich sanft Gas. Mit einem Ruck bewegen wir uns auf den Asphalt und langsam Richtung der Stadt. Richtung Zivilisation. Richtung ehrlicher Ärzte und vertrauensvoller Menschen. Welch ein Hirngespinst. Auf der Frontschreibe fallen dicke, schwere Regentropfen, während ein Regenschauer einsetzt.

Die Landschaft zieht an mir vorüber. Orte, die ich bei der Herfahrt nur wie in einem Rausch von Farben und Momenten wahrgenommen habe, werden nunmehr deutlich und geben ein gänzliches eigenes Bild von sich ab, als wir die Straße entlang ziehen. In einiger Entfernung kann ich das Meer näherkommen sehen, und Wellenrauschen hören. Oder nicht wirklich. Stelle mir nur vor, wie die Wellen klingen müssen. Mit jeder Minute Fahrt wird der Regen schwerer, die Sicht schlechter. Trotz allem hat es etwas unglaublich beruhigendes, das Plätschern und Aufschlagen der Tropfen auf dem Wagen zu hören, während ich langsam auf dem nassen Pfaden durch die Landschaft fahre.

Ein einfacher Handgriff nebenbei, die Suche nach dem vermaledeiten Radio. Es muss doch hier irgendwo…ahhh. Gefunden. Ein einfacher Druck genügt, um es zu aktivieren. Das dröhnende weiße Rauschen, das durch die Boxen dringt, das immer wieder von Sekunden-artigen Stößen von menschlichen Stimmen unterbrochen wird, passt zum Wetter. Vermutlich ist die Antenne auch hin? Drehe ein wenig durch die Frequenzen…in der Hoffnung, etwas zu finden, das die Fahrt etwas unbeschwerter, etwas angenehmer macht. Menschlicher.