20160526

Entwicklungen

In den letzten zwei Tagen wieder tausende Worte durch die Tastatur gejagt. Nicht unbedingt sinnvoll konzentriert, aber immerhin etwas an dem ich arbeiten konnte, das mich dabei beflügelt hat.

Gates of Gehenna
- Die Chance, womöglich endlich eine Test-Runde dafür zu erhalten hat zunächst erstmal ein etwas spielbareres ganzes zu ermöglichen, denn nach dem relativ großen Setting-Batzen mit 10 Seiten purem Flavor-Text konnte ich jetzt endlich erste Reaktionen sammeln.
- Talente wurden endlich überarbeitet, auch wenn ich in den ersten Reaktionen natürlich gleich mitbekommen habe, dass es bestimmte Aspekte, welche immer noch fremdartig sein müssen. Zum Beispiel die Tatsache, dass verschiedene Spezies nicht unbedingt dadurch differenziert werden sollten, dass sie bei der Charaktererschaffung Boni oder Mali bekommen. Sowas ärgert mich irgendwo immer irgendwie.

Rise and Decline of a Galactic Imperium
- Nachdem ich mich jetzt endlich mit GoG befasst habe, will ich jetzt die Tage endlich mal RaDoaGI angreifen, damit ich das an den Zeichner übergeben kann, der mir das ganze in Schön ausweiten soll. Echte künstlerische Betätigung in einem meiner Projekte. Hach ja.

Elder Evils
- Das Nachfolge-Projekt von "Rise and Decline" wird etwas sein, das sich sehr stark an einer ursprünglichen Idee von mir orientieren wird, nämlich dem, was "That Which Sleeps" sein sollte aber nie sein wird, nämlich ein Spiel darüber, wo man ein altes Böes spielt, das sich wieder in die Welt bewegt und diese unterwandert oder unterwerfen muss. 
-Und ich bin zuversichtlich, das das klappen kann, es sind ein paar schöne Konzepte zusammen gekommen, insofern bin ich zuversichtlich.

Das all das natürlich meine Arbeit an den bisherigen anderen Projekten, wie zum Beispiel Fall 1, nicht beeinträchtigen sollte, hoffe ich stark, kann aber natürlich nichts versprechen.

20160523

QUILL VII - Herzensangelegenheit


Einmal auf die andere Seite geschlagen, betrachten wir heute den englischen Lebemann und das andere Ufer der Romantik in Gestalt von Sir Uther Suffolk, Gentleman und Offizier der Krone, auf der Suche nach dem Herz, das für uns schlagen soll.

Ritter - Federführung: 2 - Sprache: 1 - Herzlichkeit: 3
Ihn zu Gewinnen
Hintergrund
- Unsere Korrespondenz geht an Francis Fletcher, Earl of Mulwyre, ein Aristokraten, der die Aufmerksamkeit vieler im Lande hat. Er gilt als ein formvollendeter Gentleman, intelligent und vermögend, aber auch als schwierig, da er sich nicht mit "Narren" abgeben kann.
- Trotz seiner berühmt-berüchtigten Unbeständigkeit, sind wir bestimmt, Francis mit einem perfekt geschriebenen Brief von Herzen für uns zu gewinnen, ohne gleichzeitig uns selbst der Lächerlichkeit preiszugeben.

Korrespondenz-Regeln

- Francis respektiert Reichtum, weswegen Aristokraten +1W auf Herzlichkeit bekommen

Tintenfass

Gold/Funkelnde Diamanten, Dein Körper/Eure Form, Schauspiel/Theater-Aufführung, Musik/Symphonie, Vorstellung/Traum, Wein/Champagner, der König/seine königliche Hoheit, wundervoll/perfekt, Maler/Künstler, Dinner/Kaviar

Unser Brief

Ehrenwerter Francis Fletcher,

ich schreibe Euch in bester Manier und Absicht. Vor kurzem erst war es mir vergönnt, den gefesselten Prometheus, ein gutes(Schnörkel > Herzlichkeit > 1,1,6 > +) Schauspiel(Wort > Sprache > 3 > -) zu beobachten. Dort konnte ich auch euch sehen, in Begleitung der Madame De Beau´Ville. Es war eine ausgezeichnete Vorstellung. (Satzende > Federführung > 2,2 > -)

Dabei kam ich nicht umher, so dann im Intermezzo den Klängen der Choräle zu lauschen, welche himmlische(Schnörkel > Herzlichkeit > 2,3,3 > -) Symphonie(Wort > Sprache > 6 > +) davon gaben, während schmackhafter(Schnörkel > Herzlichkeit > 1,1,2 > -) Wein(Wort > Sprache > 4 > -) gereicht wurde. Dabei gesellte ich mich der Gruppe um Lord Seswick hinzu, zu der auch ihr gestoßen seid, nach einigen Momenten. (Satzende > Federführung > 2,3 > -)

Da mir Gesundheit und Ertüchtigung am Herzen liegt, konnte ich nicht umhin, euren Körper(Wort > Sprache > 4 > -) anzuschauen. Ich entschuldige mich daher auch erneut für die dabei entstandene Unpässlichkeit. (Satzende > Federführung > 3,3 > -)

Dabei habt ihr von einem euch bekannten(Schnörkel > Herzlichkeit > 2,4,5 > +) Maler(Wort > Sprache > 4 > -) gesprochen, der euch aufs lustigste(Schnörkel > Herzlichkeit > 3,6,6 > +) vom König(Wort > Sprache > 4 > -) empfohlen wurde als ein begnadeter Meister, der wirklich(Schnörkel > Herzlichkeit > 1,2,4 > -) perfekt(Wort > Sprache > 6 > +) sein soll. (Satzende > Federführung > 4,6 > +)

Um nun zu schließen, wäre es mir eine große Freude, euch zu einem kleinen(Schnörkel > Herzlichkeit > 2,3,4 > -) Kaviar-Schmaus(Wort > Sprache > 6 > +) in genehmer Atmosphäre willkommen heißen zu dürfen. Die Pforten meines Domizils stehen euch offen. (Satzende > Federführung > 1,5 > +)

Unterzeichnet,
Suffolk


Das Ergebnis
Wörter: -,+,-,-,-,-,-,+,+
Verschnörkelungen:-,-,-
Federführung: -,-,-,+,+

Der Brief in Reinform
Ehrenwerter Francis Fletcher,

ich schreibe Euch in bester Manier und Absicht. Vor kurzem erst war es mir vergönnt, den gefesselten Prometheus, ein gutes Schauspiel zu beobachten. Dort konnte ich auch euch sehen, in Begleitung der Madame De Beau´Ville. Es war eine ausgezeichnete Vorstellung.

Dabei kam ich nicht umher, so dann im Intermezzo den Klängen der Choräle zu lauschen, welche  Symphonie davon gaben, während Wein gereicht wurde. Dabei gesellte ich mich der Gruppe um Lord Seswick hinzu, zu der auch ihr gestoßen seid, nach einigen Momenten.

Da mir Gesundheit und Ertüchtigung am Herzen liegt, konnte ich nicht umhin, euren Körper anzuschauen. Ich entschuldige mich daher auch erneut für die dabei entstandene Unpässlichkeit.

Dabei habt ihr von einem euch bekannten Maler gesprochen, der euch aufs lustigste vom König empfohlen wurde als ein begnadeter Meister, der perfekt sein soll.

Um nun zu schließen, wäre es mir eine große Freude, euch zu einem Kaviar-Schmaus in genehmer Atmosphäre willkommen heißen zu dürfen. Die Pforten meines Domizils stehen euch offen.

Unterzeichnet,
Suffolk

Konsequenzen

Einige Tage darauf werden wir von einem persönlichen Adjutanten von Francis besucht, der uns mitteilt, das wir aufs sofortigste unsere "belästigende" Korrespondenz einzustellen hätten, oder mit Konsequenzen zu rechnen hätten...

20160520

Kurzzeitig Unbeschäftigt

Heute nur ein kurzer Eintrag, während ich am Werkeln bin.

Aktuell habe ich soeben bei meinem aktuellen Arbeitgeber gekündigt und werde am kommenden Montag vom meinem aktuellen Ausleiher eingestellt, Vertrag liegt mir bereits vor.

Amüsanterweise zu deutlich mieseren Vertragskonditionen, unter anderem kann eine finanzielle Erhöhung des Gehalts weggestrichen werden, der Arbeitgeber behält sich vor, mich auf "Abruf" zu behalten und desweiteren auch auch weiterhin zu den unsäglichsten Bedingungen mit "Provision" zu locken, unter anderem mit "Telemarketing" und "Cross-Promotion", was interessanterweise in einem Vertrag über eine technische Inbound-Support-Hotline ja auch garnichts zu suchen hat. Davon abgesehen, dass ich nicht übernommen, sondern neu eingestellt werde. Damit ich auch auf jeden Fall eine neue Probezeit bekomme, denn bei Zeitarbeit wird vorherige Betriebszugehörigkeit nicht auf die aktuelle Zeit angerechnet...

Ich hab also Spass. Und abwarten. Die große Überraschung kommt dann ja erst Richtung 15ten Juni, wenn ich die Abrechnung von meinem letzten Arbeitgeber bekomme mitsamt der verlangten Nachzahlung in Monatsgehalt-Höhe sowie der ersten Abrechnung von dann "neuen" Arbeitgeber. Und die Hand rückt schon verdächtig nahe zum Kündigungsschreiben.

20160517

QUILL VI - Komm Zurück!

Ein weiterer Brief, ein weiterer Moment, in dem unsere Worte großes leisten sollen. Wir schlüpfen in die Haut von Samuel Hambord, Esquire. Und die Situation könnte ernster nicht sein, denn wir stehen allein auf weiter Flur.

Aristokrat - Federführung: 3 - Sprache: 1 - Herzlichkeit: 2
Lass mich nicht allein...
Hintergrund
- Wir korrespondieren mit Emery Penderghast, unserer früheren Geliebten, die uns vor einem Monat verließ, nachdem sie entschieden hatte, dass wir der Beziehung nicht völlig verpflichtet wären.
- Wir schreiben mit dem Ziel, Emery zurückzugewinnen und zu erkären, dass wir uns geändert haben, und uns mehr denn je für diese Beziehung einsetzen wollen. Wir müssen Emery davon überzeugen, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben und Beispiele davon geben, wie unser Leben ohne diese Liebe ist.

Korrespondenz-Regeln

- Emery mag es, wenn Leute geradehaus mit der Sprache herausrücken, auch im Briefverkehr, weswegen wir unfähig sind, jedwede Sonder-Fähigkeit in unsererm Brief zu nutzen.

Tintenfass

Gesicht/Antlitz, Verlangen/Sehnen, Morgen/Sonnenaufgang, weinte/war bekümmert, war ein Idiot/war ein Narr, Wagen/Kutsche, Sterne/Sternenhimmel, Traurig/am Boden zerstört, blauäugig/vernarrt, Hölle/Ewiges Höllenfeuer

Der Brief

Emery,

Gott, ich kann nicht aufhören, an dein sanftes Lächeln zu denken. Die Grübchen, die sich bilden, wenn du die Mundwinkel verziehst. Deine stupsige Nase, das leises Schnurren, wenn meine Hand über deine zarten Wangen streichelten. Aber vor meinem inneren Auge sehe ich nur dein enttäuschtes(Schnörkel > Herzlichkeit > 3,6 > +) Gesicht (Wort > Sprache > 3 > -). (Satzende > Federführung > 3,5,6 > +)

Ich, ich habe ein unvorstellbares(Schnörkel > Herzlichkeit > 3,6 > +) Verlangen (Wort > Sprache > 1 > -) nach dir. Als du am frühen (Schnörkel > Herzlichkeit > 4,5 > +) Morgen (Wort > Sprache > 1 > -) davon warst, war ich bekümmert,(Wort > Sprache > 6 > +) mit schweren, flammende Tränen. (Satzende > Federführung > 2,2,6 > +)

Ich weiß, ich war ein Idiot (Wort > Sprache > 2 > -) . Ich hätte dir nachlaufen sollen. Deine Kutsche (Wort > Sprache > 6 > +) stoppen. Ich war stolz. Zu stolz. Für einen Augenblick meinen eigenen Stolz herunter zu schlucken. Es soll vorbei sein. Nie mehr. (Satzende > Federführung > 3,5,6 > +)

Wie, als wäre es gestern, als wir im Schein der Sterne einander auf dem weichen, warmen Grase hatten, liege ich hier. Traurig (Wort > Sprache > 4 > -) . Zurückgezogen. Ich schwöre dir, ich will mich bessern. Schon jetzt will ich es tun, dass ich nie mehr so blauäugig bin, außer zu dir.(Satzende > Federführung > 1,1,3 > -)

Ich liebe dich. Komm zurück. Sonst fürchte ich, dass mich diese grauenhafte (Schnörkel > Herzlichkeit > 4,5 > +) ewige Höllenfeuer(Wort > Sprache > 5 > +) verzehrt.(Satzende > Federführung > 1,1,3 > -)

Für Immer Dein,
Samuel


Das Ergebnis
Wörter: +,+,+
Verschnörkelungen: -,-,-,+
Federführung: +,+,+

Der Brief in Reinform
Emery,

Gott, ich kann nicht aufhören, an dein sanftes Lächeln zu denken. Die Grübchen, die sich bilden, wenn du die Mundwinkel verziehst. Deine stupsige Nase, das leises Schnurren, wenn meine Hand über deine zarten Wangen streichelten. Aber vor meinem inneren Auge sehe ich nur dein enttäuschtes Gesicht.

Ich, ich habe ein unvorstellbares Verlangen nach dir. Als du am frühen Morgen davon warst, war ich bekümmert, mit schweren, flammende Tränen. 

Ich weiß, ich war ein Idiot. Ich hätte dir nachlaufen sollen. Deine Kutsche stoppen. Ich war stolz. Zu stolz. Für einen Augenblick meinen eigenen Stolz herunter zu schlucken. Es soll vorbei sein. Nie mehr.

Wie, als wäre es gestern, als wir im Schein der Sterne einander auf dem weichen, warmen Grase hatten, liege ich hier. Traurig. Zurückgezogen. Ich schwöre dir, ich will mich bessern. Schon jetzt will ich es tun, dass ich nie mehr so blauäugig bin, außer zu dir.

Ich liebe dich. Komm zurück. Sonst fürchte ich, dass mich diese grauenhafte ewige Höllenfeuer verzehrt.

Konsequenzen
- Emery schreibt uns zurück. Sie wirft uns vor, dass wir uns schlimmer denn je verhalten und dass unsere Worte keinen einzigen Hauch von Ernsthaftigkeit beinhalten. Es gibt keine weitere Korrespondenz mit ihr.

20160514

Dungeon World - Bericht

Dungeon World. Eine Sensation aus den Staaten. Das Stichwort PbtA oder "Powered by the Apocalypse" steht für ein Qualitätsmerkmal von Rollenspiel, das die Tugenden der frühen Jahre, den Entdeckergeist, und die mechanische Eleganz der Moderne vereint und ist, seit Bakers Apocalypse World eingeschlagen wie eine Bombe mit seinem System und seiner technischen Einfachheit.

Dabei behandelt es die Oldschool-Mentalität, welche so lange OSR ausgemacht hat mit einigen modernen Elementen der Design-Schule. Wie das ganze aussieht, wollen wir im folgenden behandeln.

Grundsätzlich ist Dungeon World erstmal ein traditionelles Rollenspiel, wie wir schon viele kennen. Es gibt Spielleiter und Spieler. Es gilt die oberste Regel "Sag JA oder lass würfeln" um Entscheidungen zu treffen. Ein durchaus sinnvoller Grundsatz der viele Probleme von Rollenspielgruppen durchaus aus dem Weg räumen kann.

Dungeon World basiert dabei auf einigen kleinen aber feinen Entwicklungen. Zunächst ist dabei einmal, dass nur die Spieler würfeln. Der SL braucht seine Würfel effektiv nie anfassen. Dies kann befremden, insbesondere für Spielleiter welche aus den Würfel-dominanten System hinüber kommen (Alles was World of Darkness oder Shadowrun-Richtung geht, aber natürlich auch so einige andere Klassiker).

Dies funktioniert mittels eines einfachen Würfelsystems. Spielercharaktere haben Attribute wie DnD-Charaktere mitsamt Modifikator und würfeln 2w6 +Attributsmodifikator. Danach wird verglichen. Eine 6- ist ein Mißerfolg. Eine 7-9 hingegen erlaubt einen Erfolg mit Nachteil oder Einschränkungen, während eine 10+ immer ein voller Erfolg ist. Dies wird dabei nur von den Spielern gewürfelt, wenn sie einen sogenannten "Move" anwenden.

"Moves", das andere Element, erinnert in seiner Machart ein wenig an die DnD 4E-Powers, und stellt Aktionen oder Spielmechaniken dar, nicht unähnlich einem Brettspiel, wo bestimmte Inhalte des klassischen Tabletop-Rollenspiels (die gesamte DnD 3.0-3.75-Schiene) ja drunter fallen, kodifiziert werden in Form von verständlichen Fähigkeiten mitsamt klaren Würfeleffekten.

Dabei wird ALLES in Form dieser Moves abgehandelt. Jeder Charakter hat statt Talenten, Fertigkeiten oder Spezialisierungen nur diese Moves. Und kann weitere erlangen mit Stufenaufstiegen.
Dies gilt jedoch ebenso für den Spielleiter, dessen gesamter Handlungsstrang effizient auf diese Moves abgeleitet und hingerichtet ist. Spielleiter-Moves, wie zum Beispiel, eine Gefahr anzukündigen (Ihr hört das finstere Grollen und Glucksen eines näherkommenden Trolls) oder einen unangenehme Wahrheit (Der Boden ist Lava!) zu enthüllen, sind dabei vorkommend, wenn der SL damit die Narrative voran treibt oder die Spieler ab 9- würfeln, wo diese dann angewandt werden können.

Auch Kontrahenten oder Fallen etc. können Moves haben. Diese Vereinheitlich, welche schon aus dem FATEigen Legend of Anglerre bekannt ist, ist durchaus geschickt gemacht, und verhindert, dass einzelne, aufgenagelte Sub-System, also der Chrom, das eigentliche Spielgefühl verwässern und unnötig verkomplizieren, da sie mit einer solchen Basis natürlich den Regelkern deutlich schleifen und entschlacken.

Dabei teilen die Monster im Bereich von W4 bis W12 Schadenspunkten aus (auch dies gewürfelt von Spielern, wenn es keine Festwerte sind) oder einen Move nutzen, um einen Effekt herbeizuführen (wie Goblins, die mehr Freunde herbeirufen). Dies kann auch schnell ins Auge gehen, denn Spielercharaktere besitzen im Schnitt nur 15-25 Trefferpunkte, was neben dem 6-/7-9/10+ System schnell ins Auge springen lässt, wie schwer es sein kann, eine gewisse Erfolgsquote zu erlangen.

Damit kommen wir aber auch gleichzeitig zu einem Knackpunkt des Systems. Denn neben der sehr deutlichen Tödlichkeit und einem gewissen Frustfaktor für Spieler, die einen Erfolg mit Nachteil nicht unbedingt als etwas positives ansehen, führt das Spiel durchaus zu Problemen.

Die gesamte Thematik des "Nutze einen Move" ist überraschend fremdartig und kann zu deutlichen Problemen innerhalb der ersten Spieltermine führen, weil sich beide Seiten erst daran gewöhnen müssen, da die Dynamik eine ganz andere ist, die sich hier aufbaut.

Gleichzeitig wirkt es für Spieler durchaus frustrierender, ein stetiger mit Nachteilen besetztes Erfolgserlebnis zu haben, da die Modifikatoren für die Würfe oft eher gering ausfallen, und der höchste unmodifizierte Modifikator für einen Spieler sowieso +3 ist, was, da man oft nur einen davon hat bei 6 Attributen, von denen man immer wieder eine bunte Mischung benötigt (was aber positiv auffällt), für einen gewissen Frustfaktor sorgt.

Klar, könnte man sagen, das ist in anderen Rollenspielen nicht anders, aber es kam im Test hier sehr viel deutlicher vor als ich es von anderen Rollenspielen gewohnt bin.

Zudem ist Dungeon World leider deutlich vager geschrieben, als man denken würde, da gerade Konzepte für Einsteiger in seine Mechaniken sehr ungünstig geschrieben sind. So wird der Kampf, der immer wieder in Beispielen erwähnt oder als narratives Element angeführt wird, nirgendswo regeltechnisch beschrieben. Es ist erst aus Zusatzdokumenten ersichtlich, wie das eigentliche Regelkonstrukt letztlich funktionert, was für ein Grundregelwerk schon etwas beschämend ist.

Sehr positiv hingegen fielen mir die Charakter-Blätter auf, welche formschön, einfach und mit Platz für alle wichtigen Infos der Charaktere ein fast sofortiges Losspielen ermöglichen in wenigen Minuten.

Gleichwohl kann man Dungeon bzw. Apocalypse World den Erfolg nicht absprechen, noch immer ploppen auf beiden Seiten des Atlantiks immer wieder neue PbtA-Titel auf, welche die Mechaniken mal mehr, mal weniger clever bedienen. Und das wird auch noch einige Zeit so weiterlaufen, in Anbetracht der Popularität, die sich hier ergibt.

Was ist denn jetzt aber mein Fazit? Nun, ich empfinde DW als eine faszinierende Bestie, ein Spiel, von dem ich denke, dass man es erleben muss in der Wahrnehmung einer Person, die es verstanden, weswegen ich auf kommenden Cons oder Terminen definitiv gucken werde, dass ich als Spieler selbst da noch einmal durch anderer SL Augen reinschnuppern kann, aber für den Moment ist es mir als SL und meiner Runde als ganzes tatsächlich nicht zuneigbar. Zu sehr ist das notwendige Spielkorsett zu vage, zu sehr eine Frust-Erfahrung für die Spieler.

20160511

QUILL V - Distanz der Herzen

Es liegt etwas in der Luft. Es muss Liebe sein. Und in Anbetracht dessen stürzen wir uns auf QUILL- LOVE LETTERS, der ersten und bisher einzigen echten Erweiterung für QUILL. Hierbei geht es um Briefe im Geheimen wie Offenen, aber immer um Dinge des Herzens.

Und da wir beim letzten Mal den Gelehrten und die Mechanik so massiv ausgereizt haben, entscheiden wir uns diesmal für einen dem Barock eher zugeneigten Moment, denn es geht nach Frankreich, 1760. 
 Mon Amís, l´amour!
L´amour du Jacque-Francois Beauregard du Gridi
Höfling - Federführung: 1 - Sprache: 2 - Herzlichkeit: 3
Grauenvolle Ferne
Hintergrund
Wir korrespondieren mit Aubrey du Cornís, einer Buchmacherin, welche wir im Ausland kennen gelernt haben. Wir haben uns sofort in sie vernarrt, mussten aber nach mehreren Wochen schliesslich für die Heimat zurückkehren. Wir schreiben ihr nun, um unsere Gefühle zu erklären und Aubrey davon zu überzeugen, mit uns in unserer Heimat zu leben.

Korrespondenz-Regeln

- Als Buchmacherin ist Aubrey fein geschriebenen Sendungen zugeneigt. Wir benutzen daher unsere beste Tinte für den Brief, was uns +1w aufFederführung gibt.

Tintenfass

Vermisse Dich/Sehne mich nach Dir; Berge/Spitzen des Mont Blanc; Blumen/Tulpen; Wollen/Verlangen; Kalt/Frierend; Bücher/Wälzer; Behutsam/Zerbrechlich; Halten/Umarmen; Heiraten/Ehebund schließen; Dich Heruntermachen/Dich Verletzen

Unser Brief

Verehrteste Aubrey,

ich bin angekommen, zurück in der vertrauten Heimat. An jenem Ort, wo meine Familie seit Generationen als Statthalter ansässig ist. Und der Trott des Tages, er will mich umfangen, wie ein garstiger Gesell sich an einen hängt, und herunter ziehen mag. Aber es gibt etwas, das in mir schlummert. Denn, ich sehne mich nach dir(Wort > Sprache > 1,5 > +) innigst(Schnörkel > Herzlichkeit > 5,5,6 >+).(Satzende > Federführung > 2,5 > +)

Es ist ein Feuer. Ein lodernder Brand. Zuerst hat er mein Herz entfacht, dann meinen Leib, und nun auch meinen Geist. Ich kann nicht mehr ein, noch aus. Blicke ich zu den hohen(Schnörkel > Herzlichkeit > 1,3,4 > -) Spitzen des Mont Blanc(Wort > Sprache > 3,6 > +), denke ich an deine Erhabenheit. In mir kocht ein heißer Strom, ein brennendes(Schnörkel > Herzlichkeit > 2,3,4 > -) Verlangen(Wort > Sprache > 3,5 > +), das mein Äußerstes nur kalt(Wort > Sprache > 3,3 > -) zurücklässt.(Satzende > Federführung > 1,6 > +)

Ich will an mir halten, und kann es nicht. Blicke ich zum Fenster, höre die Vögel, muss ich an unsere Zeit in den Kolonien denken. An dein kleines Geschäft. An die Momente, in welchen du, zärtlich(Schnörkel > Herzlichkeit > 5,5,5 > +), ja zerbrechlichst(Wort > Sprache > 5,6 > +) deine Wälzer(Wort > Sprache > 4,5 > +) bearbeitet hast, und man jeden Blick, jeden Augenblick deiner Freude erleben konnte.(Satzende > Federführung > 2,5 > +)

So bricht es aus und kann mich nur verzehren. Ich will dich sehen, hören, an meiner Seite wissen und halten(Wort > Sprache > 2,5 > +). Vergib mir, es mag schockieren, aber diese Gefühle des Herzens können nicht mehr länger im Gefängnis meiner Vernunft stehen und bleiben. Sie brechen aus.(Satzende > Federführung > 3,3 > -)

Auch um Verzeihung muss ich bitten, denn ich will dir versichern, dies ist kein Streich, kein dummer Scherz. Meine Familie besitzt in der Provence ein Anwesen. Ich würde es dir schenken wollen. Dich, so du mich denn nehmen würdest, auch zur Heirat erbitten. Nie wäre es meine Absicht, dich herunter zu machen(Wort > Sprache > 4,4 > -). Und flehe somit innständig, bete zu Gott. Auf dass unsere Herzen vereint wie Tristan und Isolde wären.(Satzende > Federführung > 5,5 > +)

In tiefster Verehrung,
dein Jacque-Francois Beauregard du Gridi

Das Ergebnis
Wörter:+,+,+,+,+,+,-,-
Verschnörkelungen:+,+
Federführung: +,+,+,+,-

Konsequenzen
 - Einige Zeit später flattert ein Schreiben für uns herein. Ein wunderschöner Brief, in welchem uns die Schreiberin, Aubrey, gesteht, dass sie unsere Gefühle ebenso teilt, und in den kommenden Wochen die Reise zu uns antreten wird, gar mit Hab und Gut zu uns reisen will.

Der Brief in Reinform
Verehrteste Aubrey,

ich bin angekommen, zurück in der vertrauten Heimat. An jenem Ort, wo meine Familie seit Generationen als Statthalter ansässig ist. Und der Trott des Tages, er will mich umfangen, wie ein garstiger Gesell sich an einen hängt, und herunter ziehen mag. Aber es gibt etwas, das in mir schlummert. Denn, ich sehne mich nach dir innigst.

Es ist ein Feuer. Ein lodernder Brand. Zuerst hat er mein Herz entfacht, dann meinen Leib, und nun auch meinen Geist. Ich kann nicht mehr ein, noch aus. Blicke ich zu den  Spitzen des Mont Blanc, denke ich an deine Erhabenheit. In mir kocht ein heißer Strom, ein  Verlangen, das mein Äußerstes nur kalt zurücklässt.

Ich will an mir halten, und kann es nicht. Blicke ich zum Fenster, höre die Vögel, muss ich an unsere Zeit in den Kolonien denken. An dein kleines Geschäft. An die Momente, in welchen du, zärtlich, ja zerbrechlichst deine Wälzer bearbeitet hast, und man jeden Blick, jeden Augenblick deiner Freude erleben konnte.

So bricht es aus und kann mich nur verzehren. Ich will dich sehen, hören, an meiner Seite wissen und halten. Vergib mir, es mag schockieren, aber diese Gefühle des Herzens können nicht mehr länger im Gefängnis meiner Vernunft stehen und bleiben. Sie brechen aus.

Auch um Verzeihung muss ich bitten, denn ich will dir versichern, dies ist kein Streich, kein dummer Scherz. Meine Familie besitzt in der Provence ein Anwesen. Ich würde es dir schenken wollen. Dich, so du mich denn nehmen würdest, auch zur Heirat erbitten. Nie wäre es meine Absicht, dich herunter zu machen. Und flehe somit innständig, bete zu Gott. Auf dass unsere Herzen vereint wie Tristan und Isolde wären.

In tiefster Verehrung,
dein Jacque-Francois Beauregard du Gridi

20160508

Fall 1 - L

Der stürmische Wind hat einen Affenzahn drauf, während er und der Regen um die Wette eifern, wer mir zuerst die Haut abziehen kann. Das Wetter ist so schlimm, wie schon lange nicht mehr, und man könnte fast meinen, Sturmflut-Verhältnisse voraus zu sehen. Die Sichtweite ist nicht einmal weit genug, um vom Pier aus den Rand der Green Bay zu erblicken, geschweige denn den Rest der Umgebung.

Mit einem kurzen Sprint erreiche ich, immer wieder leicht vom Kurs abgebracht, endlich die Straße. Ein schneller Blick zu meiner Linken und Rechten, aber in beide Richtungen nichts los. Kein Wunder, an diesem Pier.

Bleibt mir nichts anderes übrig, werde ich weiter durch den Regen eilen müssen. Der hingegen macht kein Anzeichen, irgendwann schwächer zu werden. Ganz im Gegenteil, mit ein paar kräftigen Blitzen zuckt es noch ein paar Mal ordentlich. Einer davon schlägt mit einem lauten Krachen irgendwo in den Docks ein.

Durch Pfützen und Lachen, immer wieder am Straßenrand am Navigieren, komme ich zu einer Zweigstraße. Hier muss doch irgendwo...da vorne! Eine Bushaltestelle. Ein Trauerspiel ohne Gleichen, aber was soll ich machen.

Als ich endlich den Unterstand erreicht habe, ist der Schritt ins Trockene ein ungewohnter, aber angenehmer Segen. Zudem bin ich, angesichts der aktuellen Umstände wenig verwunderlich, der einzige, der jetzt hier steht und wartet. Ein kurzer Blick auf den Fahrplan.

Hmm. Welcher Tag ist heute? Wie spät ist es? Das...ist jetzt scheiße. Ich kann nicht mal sagen, ob, und wann ein Bus fährt. Super. 

Zeichner - Wenigstens im Trockenen.

Im nächsten Moment rauscht ein LKW vorbei. Fährt direkt durch eine größere Pfütze. Der Schwall Wasser, entfesselt, zieht sich direkt gegen meinen Oberkörper. Ich reiße noch die Arme hoch, versuche mich wegzudrehen, aber es ist zu spät. Was vorher noch ansatzweise trocken war, ist nun gänzlich unter Wasser gesetzt.

Zeichner - Ich und meine große Fresse.

Bringt doch alles nichts. Setze mich für den Moment auf die Bank. Lehne den Kopf zurück. Und warte. Vor meinen Augen könnte jetzt die Welt untergehen, es wäre mir egal.

Zeit vergeht. Zeit, in der ich mir Gedanken mache.

Selbst wenn, ich kann Rieé eh nicht erreichen. Erst mal ein neues Mobiltelefon besorgen. Spuren? Ich weiß, dass Mokhovs Wohnung von einer Frau in einem Schuppenkleid leer geräumt wurde, bevor Rassila dort war. Dass Smetnik selbst, genauso wie Mikhail Rassila und seine Frau hinter "Tatianna" her sind. Ebenso wie eine Gruppe von White-Power-Faschisten. Und das Matthews als Versorger von "leichten Mädchen" im Hintergrund mit Spritzer da drin hing, vermutlich Fouquier versorgte, oder von diesen seine Mädchen bekam.

Ein Schauer geht mir über den Rücken, beim Gedanken daran, wie lange dieses Monstrum schon aktiv gewesen sein muss. Es muss doch so ein natürlicher Ekel sein, der sich da zeigt.

Und Fouquier wiederum hat für jemanden namens Kaltenstadt gearbeitet. Ein Deutscher? Wäre wenig überraschend, wenn ich darüber nachdenke, dass ja auch der deutsche Attachée, Altenstamm involviert ist. Aber wie passt das mit Fouquiers Aufzeichnungen zusammen? Wie aus seinen Aufzeichnungen hervor ging, hat er die Mädchen über einen Menschenhändler-Ring bezogen und dann konditioniert. "Auf Kundenwunsch". Jemand wollte ein ganz bestimmtes Aussehen. Ein bestimmtes Verhalten.

Es erklärt aber auch die Verwicklungen. Selbst das bisher rausgefundene würde reichen, um ein paar dieser Personen arge Schwierigkeiten zu bereiten. Ein Skandal, der also tiefe Spuren hinterlassen kann. Das erklärt also, warum sie alle so verbissen hinter der Sache her sind.

Aber Rassila hat, zu mindestens so der Kenntnisstand, zuerst nach Tatianna suchen lassen. Mokhov ist vor den MiB abgehauen, welche ihn verfolgt haben, wurde aber später von Smetnik eingefangen. Für den er wohl auch gearbeitet hat. Und wenn man an das Bild in seiner Wohnung denkt, scheint zwischen Mokhov und "Tatianna" mehr gewesen zu sein. Aber war das Tatianna #2?

Und laut Fouquiers Bericht hat er vor einiger Zeit eine #3 ausgeliefert. Wie vom guten Onkel Doktor bestellt. #2 hat sich gegen die Konditionierung gewehrt und ist untergetaucht. Neues Aussehen und zuerst bei Smetnik und dann mit Mokhov? Oder sogar zuerst bei Rassila, dann Smetnik und zuletzt Mokhov? Aber wie gelangte sie dann zu Rassila?

Stimme - Hey. Mister. Wollen sie jetzt mit oder nicht?

Die Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Gänzlich unbemerkt von mir hat sich ein kleiner Stadtbus herangeschlichen und steht momentan mit offener Fahrertür vor mir, während der Busfahrer, ein schrumpeliger kleiner Mann mittleren Alters, der mich ein bisschen an einen Basset.

Ich springe auf, etwas unbeholfen, zugegeben, und drücke die Jacke etwas dicht, damit ihm nicht gleich die Colt in der Jackeninnentasche ins Gesicht springt. Komme auf die vordere Bustür zu, die noch immer offen steht, während ein Schwall von Wasser sich langsam, wie ein kleiner Bach anfängt daran runter zu lassen, während der Regen mit unverminderter Stärke die Umgebung aufpeitscht.

Zeichner - Ja. Ja, Entschuldigung, komme.

Im Bus angekommen, guckt er mich mit großen Augen an, zeigt mit einer Hand auf seinen Fahrkarten-Apparat. Mist. Leicht grummelig zücke ich meine Brieftasche. Er lässt mich durch.

Der Bus ist beleuchtet, beheizt, fährt einmal durch die halbe Stadt und ist zu diesem Zeitpunkt mit 3 weiteren Personen besetzt, ein junges Paar, das, offensichtlich eher miteinander beschäftigt ist, während ein älterer Herr auf der Rückbank seinen Rausch ausschläft. Ich suche mir einen Platz an der Fensterscheibe, während ich vernehme, wie die vordere Bustür geschlossen wird, und der Bus Fahrt aufnimmt.

Ein Blick auf die Uhr schockiert etwas. Kurz nach 15h. Der Tag ist größtenteils verstrichen. Im Hintergrund dudelt seichte Musik auf einem lokalen Stadtsender, während Regentropfen gegen die Fensterscheibe prasseln.

Straßenzüge ziehen an uns vorbei, während wir schließlich die Hochstraße erreichen und das Stadtviertel wechseln. Die Straßen sind leer. An verschiedenen Stellen kann ich Sperrungen sehen, selbst auf den Straßen selbst ist kaum was los, was bei diesem Wetter aber auch nicht weiter verwunderlich ist.

Radio - ...love me tender....love me sweet....never let me go...

Der Regen wäscht wie eine Sintflut den Schmutz von allem, das er berührt. Er ist wie eine Hand, die reinen Tisch macht. Die einmal über die Oberfläche fährt, und alles davon fegt, das sich nicht dagegen halten kann. Und am Ende bleibt nur eine unberührte Oberfläche. Sauber. Rein. Leer.

Radio - ...wir unterbrechen das Programm für eine kurze Sondermeldung....

Ich hasse sowas. Es macht mich schläfrig, obwohl ich doch schon Stunden hinter mir haben muss. Das dumpfe Pochen meiner Schulter macht es nicht besser und die Mischung aus Wärme und seichtem Hintergrundgeräuschen drücken mich langsam ins Dösen. Nein! Muss Augen auf...aufhalten.

Radio - ...schwerste Sturm seit Beginn der Wetteraufzeichnung....

Wir halten an einer Ampel. Neben uns ein einsames Taxi von TTCT, auf dessen Dach eine Werbereklame prangt und für irgendwelche Lokalitäten Werbung macht. Eine Diskothek namens "El Pertubador" und einen Themen-Club. "Das Neptun". Schießen auch aus dem Boden wie Unkraut heutzutage, diese Dinger. Also die Disco. Das Neptun ist ein angesehenes Etablissement des Hafens, in dem die Bonzen ein und ausgehen. Auch wenn ich selber noch nicht dort war, weiß ich, dass eine Reservierung Monate im Voraus getroffen werden muss, um einen Tisch ergattern zu können.

Wir fahren eine ganze Weile, ehe wir die Kreuzung an der Ecke des Hudson Drive erreichen. Selbst in diesem Wetter sollte ich hier gut zu Fuß noch weiter kommen. Ich steige aus, und spüre schon beim Aussteigen, das die Entscheidung irgendwie unschön war, wie Wind und Wasser mir das Gesicht zerfurchen.

Ich springe zu meiner linken, erst einen, dann einen zweiten Block, über die Kreuzung des Hope Drive und dann in die hintere Gasse. In einiger Entfernung kann ich das stumpfe Leuchten erkennen. Die Lichter von "Hope´s End". Dem Kostümverleih.

Glück. Der Laden hat offen. Ein ironischer Name, angesichts der Tatsache, dass die Ansammlung an Kostümen hier drinnen gut und gerne ein Filmstudio versorgen könnte. Als ich die Tür gegen den Wind endlich hinter mir zu bekommen habe, bemerke ich erst, wie riesig die gesamte Auswahl ist. Unzählige Reihen über mehrere Stockwerke an verschiedenen Kostümen und Umkleidekabinen. Ein veritables Kaufhaus an Verkleidungen, möchte man meinen. Im Zentrum, eine Auswahl an günstigeren oder wohl mit "Makel" versehenen Artikeln zum Erwerb. Eine kleine Kasse mitsamt Hintertür am anderen Ende des Raumes, an dem eine Dame mit einer Brille sitzt, das ich das Gefühl habe, ich starre auf eine Eule.

Sie schaut mich ebenso an. In der Kombination von Kleidung ist das natürlich kein Wunder, während ich mich dem Tresen nähere.

Zeichner - Hallo.

Verkäuferin? - Guten Tag, Sir. Womit können wir Ihnen behilflich sein?

Zeichner - Ich benötige eine...Auskunft. 

Kann ich das so sagen? Haben sie überhaupt eine Verpflichtung, mir etwas zu sagen? Ich brauche etwas, das mir Zugang gibt...hmm. Sie guckt mich, etwas verwundert wohl, an, scheint sich aber nichts anmerken zu lassen.

Verkäuferin -  "Gerne". Hat es etwas mit uns zu tun oder benötigen sie eine Richtungsangabe?

Zeichner - Nun. Es geht um Schuppen.

Verkäuferin - Als Aufsatz oder für ein Kostüm? Fisch oder Schlange?

Zeichner - Okay, da bin ich nicht ganz sicher. Sehen sie, meine Bekannte hatte letztens eins an, das sah schon sehr...sagen wir mal ...."aus", an ihr. Ich würde mich dafür interessieren, ob sie wohl so eins hier haben.

Verkäuferin - Das ist sehr vage. Können sie es genauer beschreiben?

Zeichner - Nun, es ist wohl ein ...Fisch....Kostüm.....Kleid?

Jedes meiner Worte strapaziert ihre Nerven. Klar, wenn man nicht genau sagen kann, wie das gute Stück aussah.

Verkäuferin - Mit einem solchen können wir leider momentan nicht dienen, die sind alle verliehen. Können wir ihnen vielleicht etwas anderes anbieten?

Drucksen Zeichner! Drucksen!

Zeichner - Nun...ich würde es gerne...meiner Freundin zeigen und...habe kein Bild davon. Wissen sie...

Sie schaut mich an. Durch die riesige Brille wirkt es, als ob sie die Augen eines Uhus hätte, und der Blick in die gigantisch vergrößerten Pupillen hat etwas furchtsames, geradezu erschreckend Seltsames.

Verkäuferin - Nun, sie können unsere Kostüme ja auch sehen. Wir arbeiten mit einigen Etablissements der Umgebung zusammen. Vielleicht haben sie da die Chance, das Kostüm wieder zu finden? Wenn sie es genauer wüssten, könnten wir es ihnen eventuell fürs nächste Mal reservieren.

Zeichner - Ach, wirklich? Wo kann ich die denn begutachten?

Verkäuferin - Wir haben aktuell eine Themenkollektion an das Neptun ausgeliehen.

Zeichner – Ach so, na, dann sollte das doch kein Problem sein. Dankeschön.

Ich wende mich ab. Bleibe schlagartig stehen. So kann ich unmöglich zum Neptun latschen. Davon abgesehen, dass ich keinen Termin habe, würden sie mich so auch nicht rein lassen. Was für ein Anblick. Zwei unterschiedliche farbige Socken in einem paar roter Sneaker, einer grauen Jeans-Hose, Hawaii-Hemd und einer Halbleder-Jacke. Ich sehe aus, als wäre ich aus einer Altkleider-Tonne gekrabbelt.

Ich wende mich wieder zu ihr. Lege mein charmantestes Lächeln auf.

Zeichner - Sagen sie mal, haben sie zufällig etwas in der Richtung Spion und Abendgarderobe?