20160414

QUILL III - Brief an den Erzherzog


Unser erster Brief. Ich bin schon ganz aufgeregt. Aber halt, Moment. Wer sind wir überhaupt? Wir sind hmm...Alberich von Herbenstadt, Gelehrter der Academia Cordia Magnum. Das sollte soweit reichen fürs erste. Ein kurzer Rückblick:
Gelehrter - Federführung: 2 - Sprache: 3 - Herzlichkeit: 1
 Soweit so gut. Auf ins erste Szenario.
Der Erzherzog
Profil
Wir korrespondieren mit dem Erzherzog Godfrey, einem mächtigen Mitglied der königlichen Familie, bekannt für sein ernsthaftes Gemüt, dessen Schwester, Marie von Linchester, vor einer Woche an Auszehrung (Quasi Tuberkolose) verschied. Wir kannten sie aus Schulzeiten, in denen wir die selbe Scholae besuchten. Wir wollen unser Mitgefühl aussprechen, über die Vergangenheit und gemeinsame Taten von uns und Marie sprechen.

Korrespondenz-Regeln
- Höflinge/Aristokraten erhalten +1 auf Herzlichkeit
- Unser Pergament ist von höchster Qualität. Wir erhalten +1 auf Federführung.

Tintenfass
Bäume erklettern/Eichen erklimmen; Tod/Dahinscheiden; Lehrer/Gelehrte; Pferde Geritten/Hengste Geritten; Stadt/Flusstadt; Enten/Wildente; Engel/Seraphim; Felder/Heidefelder; Kirche/Lichte Kathedrale; Junger Knabe/Junge Harold von Whent

Die Bedingungen sind gesetzt. Ans Werk, werte Mitstreiter!

Unser Brief

Wertester Godfrey,

mit Trauer vernahm ich vom bedauerlichen (Schnörkel > Herzlichkeit, Verstärken! > 2, 3 > Versagt) Dahinscheiden (Wort > Sprache > 2,2,5 > Erfolg!) Marie´s. Mich selbst erreichte die Kunde erst vor kurzem und doch bin ich zutiefst erschüttert von ihrem Inhalt. (Federführung > 3,4,5 > Erfolg!)

Es sind einige Jahre ins Land gegangen, seitdem ich sie zuletzt gesehen habe, waren wir doch beide gleichig leidende unter den gestrengen (Schnörkel > Herzlichkeit > 1 > Versagt) Lehrern (Wort > Sprache > 1,2,2 > Versagt) der Scholae Reginum. Schon damals war sie eine wahre Persönlichkeit und hatte sich ihren Platz unter den jungen Wilden erkämpft, wenn sie mit uns ungestümen (Schnörkel > Herzlichkeit > 6 > Erfolg) Hengste geritten (Wort > Sprache > 2,6,6 > Erfolg) hat. (Federführung > 1,4,4 > Versagt)

Ich erinnere mich gut daran, wie sie, das helle Haar im Winde wehend, die großen (Schnörkel > Herzlichkeit > 4 > Versagt) Eichen erklomm (Wort > Sprache > 1,4,5 > Versagt), um den Blick weithin und hinaus auf die beschauliche (Schnörkel > Herzlichkeit > 6 > Erfolg) Flussstadt (Wort > Sprache > 1,4,5 > Erfolg) zu haben, und man nur bezaubert von ihr sein konnte. (Federführung > 1,2,6 > Erfolg)

Ich weiß, dass es in jenen Tagen gewesen sein muss, an denen sie ihre Liebe und Spiritualität wahrlich erkannt hat, denn wann sie zu ersuchen war, wusste ich sie im Herzen zu finden, in der schon ungewohnt gemütlichen (Schnörkel > Herzlichkeit > 4 > Versagt) lichten Kathedrale (Wort > Sprache > 3,5,6 > Erfolg) des Ortes, eher einem hellen (Schnörkel > Herzlichkeit > 5 > Erfolg) Felde (Wort > Sprache > 2,2,4 > Versagt) gleich, eine Rose unter Gottes Aug. (Federführung > 1,2,4 > Versagt)

Auch wenn sie von uns genommen, nun den höchsten, hehren Choralen der Himmel angehören mag, ein gott-gegebener (Schnörkel > Herzlichkeit > 5 > Erfolg) Seraphim (Wort > Sprache > 4,5,5 > Erfolg) unter seinen Kreaturen, weiß ich, dass ihr Blick sicherlich auf uns ruhen wird, und auf dem verlorenen (Schnörkel > Herzlichkeit > 2 > Versagt) jungen Harold von Whent (Wort > Sprache > 4,5,6 > Erfolg) immer verweilen wird. (Federführung > 2,5,6 > Erfolg)

Ich verbleibe ergebenst,
euer Freund, Alberich von Herbenstadt

Das Ergebnis
Wörter: Hoch, Hoch, Hoch, Hoch, Hoch > 5 Punkte
Verschnörkelungen: Hoch, Hoch, Tief, Hoch > 2 Punkte
Federführung: 1,3,5 > 3 Punkte

Der Brief wird günstig aufgenommen, positive Konsequenzen ergeben sich daraus, dass der Erzherzog durchaus mit wohlwollen zur Kenntnis nimmt, wie ihr über seine verstorbene Schwester schreibt.

Der Brief in Reinform

Wertester Godfrey,

mit Trauer vernahm ich vom  Dahinscheiden Marie´s. Mich selbst erreichte die Kunde erst vor kurzem und doch bin ich zutiefst erschüttert von ihrem Inhalt.

Es sind einige Jahre ins Land gegangen, seitdem ich sie zuletzt gesehen habe, waren wir doch beide gleichig leidende unter den Lehrern der Scholae Reginum. Schon damals war sie eine wahre Persönlichkeit und hatte sich ihren Platz unter den jungen Wilden erkämpft, wenn sie mit uns ungestümen Hengste geritten hat.

Ich erinnere mich gut daran, wie sie, das helle Haar im Winde wehend, die Eichen erklomm, um den Blick weithin und hinaus auf die beschauliche Flussstadt zu haben, und man nur bezaubert von ihr sein konnte. 

Ich weiß, dass es in jenen Tagen gewesen sein muss, an denen sie ihre Liebe und Spiritualität wahrlich erkannt hat, denn wann sie zu ersuchen war, wusste ich sie im Herzen zu finden, in der schon ungewohnt lichten Kathedrale des Ortes, eher einem hellen Felde gleich, eine Rose unter Gottes Aug. 

Auch wenn sie von uns genommen, nun den höchsten, hehren Choralen der Himmel angehören mag, ein gott-gegebener Seraphim unter seinen Kreaturen, weiß ich, dass ihr Blick sicherlich auf uns ruhen wird, und auf dem jungen Harold von Whent immer verweilen wird.

Ich verbleibe ergebenst,
euer Freund, Alberich von Herbenstadt

20160411

QUILL II - Einen Brief verfassen

Wie versprochen, will ich mich im Rahmen der nächsten Einträge dann mal daran machen, ein bisschen SOLO-Rollenspiel zu betreiben, und gleichzeitig meine Erfahrungen dazu hier auf zu zeichnen.

Aber wie soll das ganze denn vonstatten gehen?

Wir erinnern uns, in QUILL verfasst man, im Rahmen eines Szenarios einen Brief. Dazu erstellt man einen Charakter, der 3 verschiedene Attribute hat. 

Diese sind Federführung, Sprache und Herzlichkeit.

Desweiteren benötigen wir 3w6. Diese simuliere ich mal in Form von RANDOM.ORG, welche so freundlich sein werden, meinen unabhängigen Richter und Würfelwürfler darzustellen. Jedes Attribut kann dabei von einem bis drei Würfel enthalten und teilt uns mit, wie gut unser Charakter im entsprechenden Attribut ist.

Federführung beschreibt die Schönheit dessen, 
was wir geschrieben haben und sorgt dafür, dass der Brief gut aussieht. 

Sprache wiederum beschreibt, wie eloquent unser Geschreibsel ist, 
und wie gut unser Sprachgefühl ist.

Herzlichkeit wiederum zeigt an, wie viel Anstrengung wir in den Brief setzen werden, 
und mit wieviel Persönlichkeit wir selbst im Brief auftauchen werden.

Schliesslich währen wir noch eine Fertigkeit welche wir einmalig pro Szenario verwenden dürfen, und dann legen wir los.

Wir gucken uns also zuerst einmal die möglichen Charaktere an, unter denen wir wählen können. Da wäre zum ersten der Mönch, mit wunderbaren Schriftbild, aber einem kühlen Schreibstil. Sein Gegenstück ist der Ritter, mit seinem mäßigen Sprachgefühl, aber viel Herzlichkeit. Oder dem Dichter, welcher die Sprache vollendet beherrscht, aber eine Sauklaue hat. Dem Aristokraten, der wie der Mönch schön schreibt, aber wenig Sprachliche Feinheiten kennt. Dem Gelehrten, der wenig herzlich, aber mit Finesse und durchschnittlichem Schriftbild schreibt. Und zu guter letzt dem Höfling, der herzlich, aber mit Sauklaue und nur mäßigem Sprachverstand durch die Welt geht.

Für unsere Belange, würde ich sagen, wir nehmen den Gelehrten. Denn mit einem akzeptablen Schriftbild, einem wunderbaren Sprachgefühl und wenig Herzlichkeit, wollen wir versuchen, unsere Zielperson von dem zu überzeugen, was wir erreichen wollen, und gleichzeitig mir den geringsten Stressfaktor mitgeben, das ganze auch zu schreiben *zwinker*.

Gelehrter - Federführung: 2 - Sprache: 3 - Herzlichkeit: 1

Zuletzt, bevor wir uns alsbald ans erste Szenario wagen, wollen wir eine Fähigkeit auswählen. Wir können inspiriert, erleuchtet oder verstärkt sein. Für unsere Belange sollten wir "Verstärkt" sein, in der Hoffnung, dass unsere Herzlichkeit dadurch etwas erleichtert wird.

Um nun ein Szenario zu beginnen, wird zunächst in den Rahmenbedingungen gesetzt, warum und an wen wir schreiben wollen (Profil genannt), welche besonderen Bedingungen es gibt (Korrespondenz-Regeln) und welche Wörter wir als Teil des Briefens nutzen werden (Das Tintenfass).

Unser Ziel ist es, den bestmöglichen Brief mittels der Wörter des Tintenfasses zu schreiben und damit einen möglichst guten Brief abzuliefern. Hierzu haben wir 5 Absätze. Jeder Absatz muss dabei ein Wort des Tintenfasses enthalten. Wir dürfen versuchen, Wörter mittels sogenannten Schnörkeln zu versehen, um Extra-Punkte zu erlangen, und nach jedem Absatz müssen wir einen Wurf auf Federführung machen, um zu sehen, wie gut wir unsere Sache präsentieren.

Wie beeinflusst das Tintenfass jetzt unseren Brief? Das Tintenfass enthält für ein Szenario immer eine Reihe von Worten, welche im Format Wald/Smaragdforst präsentiert werden. Das erste Wort stellt dabei das sogenannte "unterlegene", das zweite das "überlegene" Wort da. Wir versuchen daher immer, unsere Absätze mit letzterem, nicht so sehr mit ersterem zu füllen.

Dies tun wir, indem wir, wenn wir ein solches Wort hinzufügen wollen, einen Test auf Sprache machen. Jede 5+ ist ein Erfolg und mit mindestens einem Erfolg dürfen wir ein überlegenes Wort einsetzen. Klappt das nicht, müssen wir ein unterlegenes Wort verwenden. Jedes dieser darf dabei nur ein einziges Mal verwendet werden.

Gleichzeitig dürfen wir versuchen, mit Beschreibungen, also Adjektiven und Adverbien, den sogenannten Schnörkeln, ein Word zu bestärken. Dies erfordert einen Wurf auf Herzlichkeit vorher. Eine solche Verschnörkelung jedoch erfordert einen Herzlichkeits-Wurf VOR dem Sprach-Wurf, weswegen es passieren kann, dass wir ein unterlegenes Wort verschnörkeln. Das gibt Minus-Punkte in der Endnote.

Am Ende eines Absatzes machen wir einen Federführungs-Test, und hoffen auf eine gute Bewertung. Jede Fähigkeit kann nur einmal pro Szenario angewandt werden. Wir werden beim nächsten Mal sehen, wie unser erster Brief ankommt, und in welchem Szenario wir das ganze schreiben wollen.

Das erklärt eigentlich so ziemlich alles. Auf auf, an die Federn, meine Lieben!

20160408

Fall 1 - XLVIII

Ich schaue, eine Augenbraue hochgezogen von einem zum anderen. Was soll ich dazu jetzt auch noch sagen?

Er zuckt mit den Schultern, wedelt kurz angebunden mit der rechten Hand, worauf hin der als "Blitz" angesprochene junge Mann auf der anderen Bettseite sichtlich entspannter wird. Das Klicken im Hintergrund und die plötzlich von unten hervor kommende Handfeuerwaffe deuten mir an, dass ich hier im wahrsten Sinne des Wortes einer Kugel entronnen zu sein scheine.

Gleichzeitig verbirgt Blitz die Waffe nicht wirklich, als er sich, etwas breitbeiniger und mit Blick auf meine Position an der rechten Wand platziert. Die Hände übereinander gelegt, die Waffe, ein .38er Revolver, zwischen den vor der Brust aufgelegten Händen. Der Blick bleibt eisenhart, auch wenn die Schultern jetzt etwas hängen. Zu meiner Linken der Weißkittel, der noch immer die Brieftasche in den Händen haltend, diese nun spöttisch auf mein Bett wirft.

Weißkittel - Natürlich verrät mir das immer noch nicht, warum sie hier sind.

Noch während er spricht, dreht er sich mit dem Rücken zu mir um, und werkelt an einem kleinen Beistelltisch rum, kommt dann wieder hoch und hat eine Spritze in der Hand, gegen die er ein paarmal mit dem Finger gegen tappt, während er kurz testet, ob die Flüssigkeit erfolgreich aus der Kanüle kommt. Sein Blick wirkt deutlich unnahbarer, während er langsam an meine Bettkante, nun mit der Nadel in der Hand, zurück kehrt. Wie dunkle Schatten über seinen Augen ist es mir schwer, in diesem Moment seinen Blick zu deuten.

Weißkittel - Oder was sie dem armen jungen Ding angetan, das sie her gebracht haben.

Schweiß, nun nicht nur von Schmerzen und Anstrengung, sondern sicherlich auch sichtlicher Angstschweiß stehen mir auf die Stirn geschrieben. Er meint die junge Frau, die ich bei Fouquier rausgeholt habe. Oh, bleib schön mit der Nadel weg!

Zeichner - Hey! Hey! HEY! Vorsicht mit der Spritze, Doc!

Sein Blick verengt sich, und in einem langsamen und bedrohlichen Schwung kommt er mit der Spritze näher. Auf der anderen Bettseite wird Blitz immer nervöser. Fingert am Revolver rum. Ist er etwa auch noch heran gerutscht an der Wand?

Weißkittel - Sagen wir es so, ich überlege mir einfach, ob mir ihre Antwort gefällt...

Bedrohlich nahe inzwischen, ich kann die seltsame Flüssigkeit, die in der Spritze steckt, immer genauer sehen, während er mit einem zackigen Bewegung auf meine rechte Schulter tappt, ehe ich mich irgendwie rühren kann.

Der Schmerz, der mich durchfährt, zwingt mich, mundtot zu machen!

Zeichner - 'Yaaarghhh'....Ich ...Ich hab ihr ...gar nichts angetan!

Mit einem harten Griff fasst er jetzt meinen linken Arm, während er diesen schon wie ein Schraubstock in seinen Fingern presst, und anfängt, die Spitze anzusetzen, was angesichts meines beginnenden Strampelns, ausgelöst durch Schmerz und Panik, sicherlich nicht besser wird.

Weißkittel -  Und das soll ich Ihnen einfach so glauben? 

Er setzt ein geradezu diabolisches Grinsen auf. Durch die seltsam gesetzte Beleuchtung kann ich Teile seines Gesichtes schon nicht mehr richtig erkennen, wie es in den Halbschatten gelegt ist, während die blanken Zähne entsetzlich weiß strahlen und mich zu blenden drohen. Die Spritze ist kurz davor, in meinen Arm gestochen zu werden!

Zeichner - Drogen...werden nicht....helfen! Sie...hätten mich....längst unter dem....Einfluss derselben..ausfragen können!

Das ergibt überhaupt keinen logischen Sinn! Wenn er wirklich eine Art Wahrheitsserum nutzen will, warum nicht bereits injizieren in einer Dosis, dass ich in jedem Fall beim Aufwachen hätte antworten müssen?!

Er zuckt mit den Schultern.

Weißkittel - Vielleicht bin ich auch einfach nur ein...Sadist. Wo haben sie das Mädchen gefunden?

Zeichner - Gefunden?! ....ich habe sie nicht gefunden, ich habe sie gerettet. ARGH! SCHEI...SSE! Aaaarghh...

Weißkittel - Inwiefern gerettet, Zeichner?

Zeichner - Fouquier...ich habe den Mistkerl aufgesucht, um...etwas über Tatianna herauszufinden...und habe sie dort aufgebahrt gefunden. Der letzte ...echte ....lebendige Mensch dort...

Die beiden tauschen eifrige Blicke auf, während mir Schweiß, Staub und Tränen die Sicht verhageln. Das wird er mir büßen! Einen unschuldigen Mann so zu foltern. WENN ES NUR NICHT SO VERDAMMT WEHTUN WÜRDE.

Der Weißkittel streicht sich mit einer Hand durchs Haar, tappt noch ein paarmal gegen die Kanüle. Schaut mich dann an. Ein halber Lichtstrahl erhellt seine nun etwas mir abgewandte Gesichtshälfte in einem grässlichen bläulichen Licht, wie in einem Krankenhaus, klinisch rein, sauber, tot.

Weißkittel - Eine letzte Frage. Arbeiten sie für Conrad Matthews?

Zeichner - Nein, verfickt!

Weißkittel - Verflucht Zeichner, ich habe ihnen doch gesagt dass ich von Candy weiß, dass sie bei Spritzer waren! WOHER SONST HÄTTEN SIE VON FOUQUIER ODER TATIANNA GEWUSST?!

Speichelreste fliegen umher, sein Blick, für einen Moment im Lichtschein erkennbar, eine grimmige Maske des Zorns, die Zähne verbissen.

Zeichner - Weil ich Privatdetektiv bin, fuck! Ich wurde angeheuert, der Sache nachzuspüren! Oder glauben sie, ich hätte Fouquier sonst über den Haufen geballert?!

Stille. In einiger Entfernung kann ich ein sanftes Piepen vernehmen. Ansonsten erfüllt nur mein angestrengtes Atmen den Raum. Dann das drehen einer Revolver-Trommel. Fuck, Nein Nein Nein Nein Nein!

Blitz zielt auf mich. Ich kann den kühlen Lauf an meiner Schläfe spüren. Seine grüner Mohawk wackelt nervös hin und her, während sein Blick immer wieder zu mir und dann zum Weißkittel gehen. Selbst seine Stimme, ungewöhnlich hoch für einen solchen Kerl, zittert wie ein Drahtseil im Sturm.

Blitz - Soll ich, Doc?! Ich muss nur abdrücken! Es muss auch keiner was erfahren. Nicht dieses Mal...

Weißkittel - Was...meinen sie....damit...Zeichner?

Mein Blick ist fixiert auf das scheinende Metall, das momentan an meinen Kopf gedrückt dafür sorgt, dass meine Gedanken sich vor allem darum kreisen, wie ich diesen wahnsinnigen davon abbringen könnte, jetzt nicht einfach reflexhaft abzudrücken.

Zeichner - Ich habe gesehen..was Fouquier da unten gemacht hat. Die Leichen in seiner Kühlkammer...die...Toten, die er....im ....Hochofen...

Mir wird schwindlig. Obwohl ich in einem Krankenbett liege, beginnt die Welt sich zu drehen, als die Bilder des Hochofens wieder vor mein Inneres Auge treten. Wie schwerster Seegang, während ich spüre, wie meine Beine, meine Arme verkrampfen. Mein Atem flach, dann stockend.

Zeichner - Gesehen...wie das ....Fleisch...von...der Haut....fl...floß...

Mit einem Mal spüre ich den drückenden Lauf nicht mehr an meinem Kopf, als ein Großteil des Lichtes durch den vom Schatten verdunkelten, weißen Kittel ersetzt wird, der im nächsten Augenblick mein Blickfeld einnimmt. Das Stechen einer Nadel, die, beinah unbemerkt, eine Ader erreicht, und ihre Ladung entlässt.

Meine Muskeln werden zu Gelee. 

Weißkittel - Ruhig. Ruhig. Blitz, pack das Ding weg.

Ich kann von der Seite eine gewisse Enttäuschung hören, geradezu spüren, als er seinen Revolver wieder einpacken muss. Mein Blickfeld wird immer noch vom Weißkittel eingenommen. Erst auf diese Entfernung fällt mir auf, dass der Kittel Risse hat.  Ein kleines, halbes Namensschild auf der Seite lässt noch die Worte J.M... lesen, ehe er sich wieder von mir weg beugt.

Weißkittel - Ich gebe zu, ich weiß noch nicht so recht, wo dran ich bei Ihnen bin, Zeichner. Aber das wird sich im Laufe der Zeit sicherlich klären.

Zeichner - Was..haben...sie mir....gegeben?

Weißkittel - Oh? Ein Muskelentspannungspräparat. Sie hatten schon vorher, während der Notbehandlung Anzeichen gezeigt, schockartig in Anfälle zu verfallen, daher hatte ich das vorbereitet. Ruhen sie sich aus, Zeichner. 

Fast schon gütlich lächeln, schaut er zu mir. Seine Gestalt entfernt sich. Wie beim Blick durch ein Fernrohr, das verkehrt herum gehalten wird.

Weißkittel - Wir sprechen wieder miteinander, wenn es Ihnen etwas besser geht.

Seine Stimme wirkt dumpf. Da war noch etwas anderes drin. Ganz...bestimmt....

Die Helligkeit umfängt mich. Mein Bewusstsein schweigt.

20160405

Nach den NT ist vor den NT

So, oder so ähnlich kann man das vermutlich behaupten, wenn ich überlege, welche Aktivität wir entfaltet haben, seitdem die Jubiläums-Ausgabe der Namenlosen Tage an uns vorüber gezogen ist.

Sagenhafte 424 Besucher haben uns die Bude eingerannt. Eine, für diejenigen, welche unsere Örtlichkeit kennen, geradezu absurd hohe Zahl.

Dementsprechend voll war es am Samstag auch, und so fertig hab ich mich in der Nacht von Samstag auf Sonntag auch gefühlt. Halt völlig fertig. Glücklich, sicherlich, aber eben auch so fertig, wie schon lange nicht mehr. Leider kam bei mir noch ein, zwei Unglückchen dazu, was natürlich nicht unbedingt förderlich waren für die Gesundheit, aber auch nur ihr Übriges taten.

Fakt ist jedoch, ein großer Erfolg, und die Planung für die nachfolgende Veranstaltung stehen bereits an, laufen geradezu auf Hochtouren, selbst der Termin für die nächste Vorbesprechung steht in Bälde an.

Es geht also rund, und wir freuen uns schonmal verteufelt auf September, wenn es wieder heißt...

"Die Namenlosen Tage haben begonnen"

20160402

Zu dieser Zeit....

...ganz woanders.

Die Vorbereitungen sind läng abgeschlossen und die aktuellsten, zwanzigsten Namenlosen Tage, die Jubiläumsausgabe, laufen.

Unzählige Menschen, die Lauschen, Lachen, Leiden, Spielen, Weinen und Würfeln. Eine Flut von unterschiedlichsten Personen, die für die normalsten und seltsamsten Momente zusammenkommen, um mitzufiebern, um sich gemeinsam einen Moment der Gemeinsamkeit zu geben, um Freunde wiederzutreffen, Genossen, alte Weggefährten und neue.

Und wenn ich eines bemerke, dann, dass 10 Jahre eine verdammt lange Zeit sind.

Im Rückblick betrachtet sind wir inzwischen gut auf dem Weg dorthin, wo wir hin wollten, auch wenn wir uns das damals, ganz zu Anfang, so, niemals erträumt hatten.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, die frühen, ersten Tage, als wir das Gebäude noch nachts abschloßen, als die Besucherzahl sich kaum über zweistellige Zahlen hinausbewegt hatte.

Viele Gesichter konnte ich auch auf dieser Veranstaltung wieder begrüßen, und es wärmt das Herz ungemein, wenn man sich, auch nach langem, dann wieder mit diesen alten Begleitern auf dem Weg auch nur kurz zusammen setzen kann, für ein paar Minuten Diskussion, Schnack, Kontroverse.

Man tauscht aus dem Leben aus, das im Hintergrund an uns vorüberzieht. 
Und wir sind noch lange nicht am Ende.

20160330

Vorbereitungen auf Hochtouren

Das Jubiläum rollt mit großen Schritten heran und wir sind dabei, die letzten Details der NT20 auszuklabüstern, weswegen es aktuell keinen Blog-Eintrag geben wird, sondern erst wieder so richtig nach den NT, ausgehend davon, dass wir danach noch überlebensfähig sind ;)...

20160329

Poetry

It Is Not Of The Flesh

A wiseman once left babylon,
To flee from certain terror.

His clothing torn, his mind confused,
The only way free from error.

He searched the land far and wide,
Went and searched on greatest height,

But never could he find the answer,
For his folly was for chance err ,

Such illness, sickness, ailment, prevailed
And wisdoms fear for those he failed,

Who came and begged him, mercy, return,
Found only a madmans lost lantern.

Heed wise, these words, for they are true,
Even Wisemans Folly can be on You.

20160327

Fall 1 - XLVII

Das erste was ich höre.

Ein Piepen. Stetig. Immer wieder. Kalt. Medizinisch. Mein Körper ist ein einziger wunder Punkt.  Alles pulsiert. Auf und ab, als hätte jemand jeden einzelnen Punkt gleichzeitig mit einer Nadel gestochen.

Es ist mühsam, die Augen aufzubekommen. Flatterhaft. Grell. Blendend. Wie kleine Sterne, tanzende Punkte auf meiner Netzhaut. Bunte Farben. Ein Reigen aus kaleidoskopartigem Flickern. Und daneben das stetige, immer wieder kehrende Piepen.

Ein Schlürfen, ein Schmatzen. Ein Saugen. Ein ekelhaftes Geräusch. Meine Arme fühlen sich durchstochen an. Ich kann selbst meine Finger nur gerade so rühren. Selbst mein Kopf will nicht so recht, wie mein Geist es befiehlt. Kann kaum hochkommen, geschweige denn gucken.

Langsam fokussiert der Blick. Aus vielen Lichtern werden scharfe, stärker umrissene Lichtpunkte, welche eine größere Halle beleuchten. Und Vorhänge. Dicke, weißliche Maler-Vorhänge, als würde jemand hier gerade umdekorieren.

Was angesichts der großen Metallröhren und Stützpunkte unter der Decke vielleicht weniger abwegig wäre, wenn neben mir nicht medizinisches Gerät stehen würde, wie aus den Augenwinkeln auffällt. Nicht, dass ich den Kopf aber auch nur ansatzweise in diese Richtung drehen könnte. Geschweige denn sonst etwas anderes, interessanteres beobachten hier. Mein Kopf ist fixiert.

Der Versuch, mit den Fingern zu wackeln ist auch nicht von Erfolg gekrönt. Vielleicht mit dem Zeh...Nein. Tarantino hat mich belogen. Mist. Eine Stimme im Hintergrund. Die noch dazu nicht zwischen laut und leise unterscheiden kann. Oder jemand dreht gerade den Lautstärkeregler an meinem Ohr stetig rauf und runter.

Stimme - hEy, T! eR isT WAcH!

Geklapper im Hintergrund. Schritte, eifriges Gemurmel, aber nichts, dass ich direkt oder klar entziffern könnte. Dann jemand, der sich durch die Vorhänge schiebt, wie eine Pestbeule durch die Haut. Im weißen Kittel. Nicht einmal hier konnte man den Klischees entkommen.

Die Person bewegt sich, nach kurzem begleitet von einer weiteren in einer dunklen Lederkutte, die über und über mit irgendwelchen Abzeichen bedeckt ist, während der Mohawk sein übriges dazu tut, Richtung meiner Position. Nur aus den Augenrändern ist es mir überhaupt möglich, etwas zu sehen, und selbst das macht den Eindruck nicht gerade rosig.

Der näherkommende Typ, soweit ich es erkennen kann, trägt, Ende 30, dunkle Hautfarbe, aber gleichzeitig blondiertes, wenn gleich eher zurück laufendes Haar. Eine grauenhafte Mischung mit seinen Geheimratsecken, dem 3-Tage-Bart und den harten Augenbrauen, vor denen auch Doktor Mabuse Angst gehabt hätte.

Hinter ihm stellt sich derweil der Kuttenträger auf. Über und über kann ich die bunten Logos und Symbole verschiedensten Coleurs entdecken, wenngleich ich absolut keinen blassen Schimmer habe, was sie bedeuten sollen oder wozu sie eigentlich dienen würden. Vielleicht, um die Risse zu flicken? Der grünliche Mohawk macht neben dem halbkahlen Schädel den Rest, um dem von Akne und Jugendsünden zerfressenen Gesicht den Rest zu geben, wobei eine offensichtlich mehrfach gebrochene und "gerichtete" Nase ihr übriges tut.

Der Weißkittel rückt ans Bett heran, während ich versuche, mich einigermaßen aufzurichten. Keine Chance. Ich kann es nicht sehen, aber selbst Ich spüre es, wenn ich irgendwie festgemacht, fixiert wurde. Warum zum Henker kann ich meine Arm nicht richtig spüren? Dann ist es wieder grell-hell, als er ein kleines Taschenlicht direkt in meine Augen hält, was mich zum Aufschreien bringt. Selbst den Kiefer dafür auseinander zu reißen schmerzt, während ich verzweifelt die Augen zukneife, nur um zu spüren, wie er mit seinen grabbeligen Fingern anfängt, mir diese aufzureißen.

Zeichner - Argh! Fi...nn...er....we...!

Meine eigene Zunge hat mich verraten! Sie lallt nur so vor sich hin, weil sie wie ein durch die Wüste gezogener afghanischer Teppich liegt, genauso kalt und ebenso trocken.

Die Tortur dauert nur einige Sekunden, ehe er sein Folterwerkzeug wieder einsteckt, und mich anfängt abzutasten. Er setzt am Kopf an, setzt dann über meinen Hals zu den Schultern fort, ehe die Finger aus meinem Sichtbereich verschwinden. 

Weißkittel - Spüren sie das?

Ein prüfender Blick von seiner Seite.  Als ob er abwarten würde. 

Mohawk - Und?

Weißkittel - Die Narkotika sollten am Abklingen sein. Ich denke wir können anfangen, die Fixierungen zu lösen.

Im nächsten Moment ist sein Gesicht ganz nahe vor meinem, unangenehm kann ich seinen Atem wahrnehmen, ein Geruch von Chlor, Blut und schlechtem Aftershave, der sich in meine Nase zwängt wie ein fettleibiger Einbrecher durch ein Kellerfenster.

Weißkittel - Bleiben sie jetzt ruhig, wir lösen jetzt die Fixierung.

Er zieht seinen Kopf wieder zurück und wandert zur anderen Seite des Bettes, während der Mohawk anfängt, auf seiner Seiten, Verschlüsse klappernd zu öffnen. Dann auf beiden Seiten, und mit ein paar klackenden Tönen spüre ich, wie das Ziehen nachlässt.  Ich endlich den Kopf frei bekomme. Gleichzeitig, ob der Drogen womöglich, bemerke ich endlich, wie verkrampft meine Haltung gewesen sein muss.

Wie ein Strahl flüssigen Eisens, gleich einer Kaltfront, welche sich den Weg ebnet, reißt sich Gefühl meine Schulter hoch. Ich beiße die Zähne zusammen. Als würde jemand jeden Nerv einzeln ausreißen, brennt und kreischt meine Schulter, mein Arm auf. Selbst die Hand fühlt sich an, als würde man sie mit unzähligen Nadeln immer und immer wieder durchstechen. Jedes Zittern ist Schmerz. Jede Bewegung ist ein Aufbäumen.

Zeichner - Aarghg..h.g..g...hggghg...!

Zu meiner Seite drückt sich der Weißkittel plötzlich gegen das Bett, drückt mit aller Kraft meinen Arm und die belastete Schulter herunter.

Weißkittel - Ruhig, Zeichner.  Oder wollen sie meine gesamte Arbeit der letzten Stunden sofort anfangen zunichte zu machen?

Selbst mit zusammen gebissenen Zähnen ist klar, dass er hier ein Spielchen spielt, bei dem er sich im Vorteil glaubt.

Zeichner - Sie wissen wer ich bin?

Weißkittel - Sie meinen, nach ihrem Stunt mit dem Taxi, das sie fast vollständig an der Seite der Halle entlang gestriffen haben? Oder der Tatsache, dass sie bei Spritzer Entertainment aufgelaufen sind? Ich weiß eine ganze Menge über sie. Vor allem aber...

Mit diesen Worten zieht er, geradezu auftriumphierend vor mir, ein kleines ledernes Objekt aus seiner Kitteltasche.

Weißkittel - ...weil ich ihre Brieftasche gefunden habe und sie ungefähr so subtil sind wie ein bunter Hund. Sie haben Glück, dass ich mich an die Beschreibung von Candy erinnert habe, sonst hätte sie Blitz hier vermutlich sofort einen Kopf kürzer gemacht, nachdem was sie alles angerichtet haben.

20160324

Geschichten aus der Service-Ebene

Es gibt so Momente im Leben eines Menschen, da kann man sich eigentlich nur noch an den Kopf fassen, weil man angesichts des Gegenübers gerade zu rasend vor Wut diesem am liebsten an die Gurgel gehen würde, sei es, weil der/oder die (Dummheit ist Geschlechterübergreifend ;) ) Gegenüber etwas geradezu grenzdebil dämliches von sich gibt, oder weil das Ergebnis von Vorschriften und menschlichen Missverständnissen eine Komödie ungeahnten Ausmaßes ergibt.

Im nachfolgenden ein kleiner, anekdotenhafter Auszug aus diesen Momenten. Alle Angaben sind "verschleiert" und umschrieben, um die Original-Akteure zu schützen. Vermutlich vor dem Zorn der Kunden.

Szene #1
Mitarbeiter - Sie sind bei XY Telefon!
Kunde - Ja Hallo, ich hab ein Problem mit meinem Telefon und zwar funktioniert das nicht richtig, das wird immer so warm beim Telefonieren und so.
Mitarbeiter - Wie, warm?
Kunde - Ja, so warm halt. Eierwarm.

Mitarbeiter - Bitte was?! Was ist denn Eierwarm? 37°C??!
Kunde - Was? Au! Ne, mehr so wie wenn sie Eier braten wollen in der Pfanne. Jetzt schon wieder.
Mitarbeiter - ....telefonieren sie gerade mit dem Telefon?
Kunde - Ja.
Mitarbeiter - Sie telefonieren mit einem Telefon, dass ihnen nach eigener Aussage gerade Finger und Ohr verbrennt?
Kunde - Ich hab kein anderes.
Mitarbeiter - Darf ich...können sie das Telefon beiseite legen? Können sie uns nochmal anrufen? Von einem Freund oder Nachbarn vielleicht? 
Kunde - Ich kann doch mein Telefon nehmen!
Mitarbeiter - Das Ihnen die Ohren verbrennt?!
Kunde - Ne, mein Festnetz-Telefon.
Mitarbeiter - Also haben sie ein anderes Telefon.
Kunde - Ne, ich hab nur mein XYfon.
An diesem Punkt beißt der Mitarbeiter in den Hörer.

Szene #2

Mitarbeiter - Guten Tag, sie sind bei XY Telefon!
Kunde - Ja Hallo, ein Telefon hat da so eine komische Funktion, die muss weg!
Mitarbeiter - Wie meinen?
Kunde - Ja da ist sowas, da kann ich immer sehen, wen meine Frau so anruft und was die für Nachrichten schickt!
Mitarbeiter - Ach, sie meinen unser tolles Familien-Feature! Das ist was tolles, damit kann man Anruflisten abgleichen und die Kontakte in der ganzen Familie nutzen um
Kunde - Das ist mir egal! Ich will nicht dass alle sehen wen ich anrufe! SCHON GAR NICHT MEINE FRAU!

Szene #3
Mitarbeiter - Herzlich willkommen bei XY Telefon, was können wir für sie tun?
Kunde - Ja, hallo?
Mitarbeiter - Ja, ich kann sie hören.
Kunde - Hallo?!
Mitarbeiter - Ich kann sie hören! Können sie mich nicht hören?
Kunde - Halloooo?!
Mitarbeiter - Hallo?
Kunde - Sauhaufen.
Später erhält die Firma den folgenden Kommentar vom Kunden zum Gespräch:
Där Suport hat micch angeschrin! Bai Inen kauf I nie wieder´n Telefon!
An diesem Punkt beißt der Marketing-Fachmann in die Tischkante.