20161029

Fall 1 - LX

Dieser Eintrag wurde mit Verspätung am 03.11.16 veröffentlicht. Whoopsie.

Beklommenheit übermannt mich. Am oberen Ende der Treppe steht eine Gruppe von Personen, die ich jetzt und vor allem hier nicht erwartet hätte. Theo der Hirnzwerg und seine Muckiboys Gregor, Erwin und Nr.3, dessen Name ich schon damals nicht mitbekommen habe. Schrecklich, dass einem so etwas Unwichtiges in diesem Augenblick einfällt.

Die Zeit bleibt stehen, im Hintergrund nur die Geräusche des Arbeitens, des geschäftigen Betriebes des Neptuns.

Theo – Zeichner. Schnappt ihn euch, Jungs!

Gregor, Erwin und Nr.3 sehen alle deutlich besser aus als beim letzten Mal, auch wenn Gregor den kaputten Beins ewig tragen wird, nachdem ich ihm in Mokhovs Wohnung die Glasscherbe in dasselbe gerammt habe, bevor ich sie ihm durchs Gesicht zog. Das hat ihn nicht gerade schöner gemacht. Während ich so sehe, wie sie anfangen, sich die Treppe hinunter zu stürzen, kommt mir der Gedanke, dass es besser wäre, die Beine in die Hand zu nehmen.

Drücke mich selber wieder in den Korridor der verschiedenen Umkleideräume aus denen ich gerade kam und hinein in den nächstbesten, während ich vorsichtig die Tür anlehne. Gerade so viel, dass es nicht so aussieht, als ob jemand in diesen Raum hineingestürmt wäre, aber eben so weit, dass man denken könnte, dieser Raum würde benutzt werden.

Versuche mich vorsichtig hinter der Tür in Stellung zu bringen. Was für ein Raum ist das eigentlich? Ähnlich eng wie Mattis Umkleide, mit seltsamen bläulichen Kleidungsstücken an den Wänden…Flossen. Es sind Schwimmklamotten. Dies ist eine Umkleidekabine für die Nixen.

Der Tritt von schweren, mit Stahlkappen versehenen Stiefeln . Ich kann die Bräune an ihnen förmlich riechen. Es sind mindestens zwei…drei. Vier Paare. Instinktiv horche ich auf. Achte auf das besondere Grunzen, das man fast erwarten will, dass von den Muckiboys kommen müsste. Nichts dergleichen. Der Lichtschein, der aus dem Korridor in den Umkleideraum geworfen wird ist gebrochen. Eine Person. Ich kann das angestrengte, röhrige Atmen auf der anderen Seite der Tür hören. Wenn er nicht zu tief reinguckt…

Wenn man vom Teufel spricht. Unsanft drückt sich mir die Tür ins Gesicht und den Oberleib, drängt mich tiefer zwischen die Kostüme zurück, um nicht entdeckt zu werden. Dumpfer Schmerz heult auf, wo mich die Tür in den Magen geboxt hat, während meine Nase anfangen will, leicht zu bluten. Nicht schneuzen! Nicht hochziehen! Aaargh!

Ich kann inzwischen seinen Kopf sehen, der sich, gefolgt vom bulligen Oberkörper, langsam durch den Türrahmen schiebt. Sich offensichtlich an den verschiedenen Kleidungsstücken ergötzt, die durch den Lichtschein vom Korridor beleuchtet werden. An seinem Blick kann man fast absehen, wo er sich die Formen vorstellt, welche in diese Kostüme passen müssen.

Ich spüre, wie das Blut meine Nase entlang läuft, die Oberlippe kitzeln, und langsam Richtung Kinn laufen. Ein kaum unterdrücktes Zucken des rechten Auges. Zwiespalt, ob ich diese Situation nutzen soll. Wenn er jetzt nach rechts guckt, sieht er mich. Guck nach links. Guck nach links!

Er guckt nach rechts. Greife mit der linken die Tür, drücke sie gewaltsam nach vorne, mit vollem Körpereinsatz. Das Keuchen als die Tür ihn seitwärts zwischen Hals und Schulter trifft, lässt erahnen, wie schmerzhaft es sein muss, als er mit Wucht zwischen Tür und Türrahmen zusammen gedrückt wird. Meine Recht greift von seinen Kiefer von unten, während ich mit der linken die zurückkommende Tür auffange und mich selber vor ihn stelle. Dann seinen Kopf in schneller Abfolge mehrfach gegen den Türrahmen schmettere.

Es klingt nicht nach einem Knacken, aber die Art in der er die Augen verdreht zeigen an, dass Gregor die Sache hinter sich hat. Reiße die Tür weit auf, der Lichtpegel aus dem Korridor blendet mich schwer. Trete heraus, mit Schwung aus der Tür in den Gang und zu meiner linken Richtung Treppe, Nr.3 nicht in Sicht, aber Erwin spannt gerade in einer der anderen Umkleidekabinen und scheint etwas erstaunt über mein spontanes Heraustreten neben dem nun heruntersinkenden Leib von Gregor.


Er ist zu langsam, ich husche an ihm vorbei und renne die Treppe hinauf. Am oberen Ende immer noch Hirnzwerg Theo stehend, der mit einem schiefen Grinsen in seine Jacke greift. Und einen Revolver zieht. 

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